Wasser FAIRteilen

Wasser wird knapper in Deutschland. Doch wie können wir dafür sorgen, dass Wasser künftig nicht nur uns Menschen, sondern auch Pflanzen und Tieren ausreichend und in guter Qualität zur Verfügung steht?

In viele kleine Tropfen spritzendes Wasser

Geht es um die natürliche Ressource Wasser treffen viele "Interessen" aufeinander.

Vor allem ist Wasser Lebensgrundlage für Pflanzen, Tiere und Menschen. Es formt Lebensräume und ist zugleich Lebensraum. In Deutschland zählt die Wasserversorgung zu den Kritischen Infrastrukturen, weil sie für das Wohlergehen und die Sicherheit der Menschen sowie das Wirtschaften elementar ist.

Über viele Jahrhunderte hat sich der Mensch das Wasser "nutzbar" gemacht: Gestaut, abgegraben, abgepumpt und umgeleitet. Wir verbrauchen und verschmutzen es und sind selbst jene, die ihre eigene Lebensgrundlage gefährden, aber auch die von Tieren und Pflanzen. Die planetare Grenze für Süßwasser ist überschritten, der sichere Handlungsraum verlassen (1).

Wir müssen das Wasser FAIRteilen!

Sauberes Wasser muss allen ausreichend zur Verfügung stehen: uns Menschen, aber auch unseren Ökosystemen. Ökologische und gemeinwohlorientierte Belange im Umgang mit Wasser wurden und werden all zu oft zugunsten ökonomischer Interessen vernachlässigt.

"Das Versäumnis, Wasser in all seinen verschiedenen Verwendungszwecken voll wertzuschätzen, wird als Grundursache oder Symptom der politischen Vernachlässigung von Wasser und seiner Misswirtschaft angesehen. Allzu oft spielt der Wert des Wassers oder seine ganze Bandbreite an Werten überhaupt keine Rolle bei der Entscheidungsfindung."
(UN-Wasserbericht 2021)

Unser Wassers trägt davon deutliche Spuren:

  • nur 9 Prozent aller Oberflächengewässer erreichen einen sehr guten oder guten ökologischen Zustand (2)
  • kein Oberflächengewässer in Deutschland erreicht einen guten chemischen Zustand (3)
  • 86 Prozent all unserer Gewässer sind verbaut, gestaut, begradigt
  • jeder siebte Grundwasserspeicher hat zu wenig Wasser

Die Klimakrise verstärkt die Folgen menschlicher Nutzung. Viele unserer Gewässer und das Grundwasser geraten dadurch noch stärker unter Druck. Lebensräume verändern sich mit weitreichenden Folgen für die darin lebenden Pflanzen, Tiere und Mikroorganismen.
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Auch Wälder, Auen und Moore sind auf Wasser angewiesen. Fehlt es, werden auch hier die Folgen sichtbar: Nach und nach verschwinden Pflanzen und Tiere, die mit den sich verändernden Bedingungen nicht zurecht kommen.
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Wasserkrise, Klimakrise und die Krise der Artenvielfalt sind untrennbar miteinander verbunden und müssen deshalb auch zusammen gedacht werden. Die Probleme sind komplex und erfordern bereichsübergreifende, komplexe Lösungen.

Die Nationale Wasserstrategie

Im Juni 2021 wurde der erste Entwurf einer "Nationalen Wasserstrategie" für Deutschland der Öffentlichkeit vorgestellt. Mit über 200 Expert*innen und ministeriumsübergreifend beraten, gab sie erste Antworten auf drängende Fragen rund um die künftige Verfügbarkeit von Wasser in guter Qualität in Deutschland.

Auch im aktuellen Entwurf geht es um den Schutz unseres Wassers vor übermäßiger Nutzung und Verschmutzung, um einen Ausgleich zwischen verschiedenen Nutzungsinteressen.

Das Ziel für 2050 steht:

"Der Schutz der natürlichen Wasserressourcen und der nachhaltige Umgang mit Wasser in Zeiten des globalen Wandels sind in Deutschland in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen zum Wohle von Mensch und Umwelt verwirklicht."
(Nationale Wasserstrategie (Entwurf vom 25.11.2022))

Im Detail bedeutet das:

  • Umsetzung des Vorsorgeprinzips, d.h. Einflüsse, die dem Wasser schaden (Verschmutzung & Verunreinigung; starke Erwärmung; starker Verbrauch / Umleitung / Ableitung ) werden reduziert bzw. am besten verhindert. Von Menschen verursachte Belastungen, etwa durch Schadstoffe oder Mikroplastik, werden minimiert.
  • Umsetzung des Verursacherprinzips, d.h. Verursacher*innen von Verschmutzungen und Verunreinigungen von Wasser müssen dafür einstehen. Dies ist bereits ein Grundsatz der Wasserrahmenrichtlinie.
  • Gewässer und wasserabhängige Biotope bleiben möglichst naturnah erhalten bzw. werden in diesen Zustand versetzt.
  • Der Wasserhaushalt wird so wenig wie möglich beeinträchtigt, auch in der Klimakrise.
  • Eine nachhaltige Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung werden überall gesichert sein.
  • Schäden durch Extremwetterereignisse (z.B. Starkregen bzw. lang anhaltende Trockenheit) werden sowohl für Menschen als auch die Umwelt vermieden bzw. verringert.

Die "Nationale Wasserstrategie" liefert wichtige Ziele und schlägt passende Maßnahmen für einen möglichst gerechten Umgang mit Wasser bis 2050 vor. Wem noch Wasser bei Wasserknappheit zusteht (und wem nicht), wird nicht klar formuliert. Das bleibt "Aushandlungssache", also ein Prozess, in dem die unterschiedlichen Akteur*innen und Interessen sehr unterschiedliche Chancen auf Erfolg haben.
Die Umsetzung von Zielen und Maßnahmen der "Nationalen Wasserstrategie" setzt eine gut aufgestellte, kontinuierliche und gut vernetzte Forschung zu den Themen voraus. Dies ist nicht überall der Fall - so etwa beim nachhaltigen Gewässermanagement, das die Nutzung von Binnengewässern mit dem Schutz ihrer Biodiversität in Einklang bringen muss.

Es sind alle gefragt!

Der Schutz des Wassers ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nur wenn alle ihren Teil beisteuern, wird uns ein nachhaltiger Umgang mit der immer knapper werdenden Ressource gelingen!

WASSERWIRTSCHAFTLICHE AKTEUR*INNEN stellen die nachhaltige Wasserver- und Abwasserentsorgung sicher: eine enorme Aufgabe, denn eine klimakrisenfeste Infrastruktur muss vielerorts in Deutschland erst noch wachsen. Veraltete Rohrsysteme, die vor allem in trockenen und heißen Tagen an ihre Grenzen kommen sowie veraltete Kläranlagen sind nur zwei Probleme. Die in Aussicht stehenden Investitionen sind enorm, die Erneuerungsprozesse langwierig. Der Bau überörtlicher Wasserversorgungsinfrastrukturen ist in diesen Investitionen noch nicht einmal enthalten. Dabei sind die Vernetzung von Versorgungsgebieten, Fernwasserversorgung, und das Errichten bzw. Ausbauen von Wasserspeichern wirksame Maßnahmen der Klimaanpassung.

Auch LAND NUTZENDE AKTEUR*INNEN wie Forst- und Landwirtschaft sind in der Pflicht, gewässerverträglich zu wirtschaften. Das Wasser muss künftig in der Fläche gehalten werden. Entwässerungssysteme sind zurückzubauen. Auch die Grundwasserneubildung muss unterstützt werden. Bei der Bewirtschaftung von Wäldern kann dies über den verstärkten Anbau ausgewählter Baumarten gelingen.
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Konkret auf die Landwirtschaft zurückzuführende Auswirkungen auf das Wasser zeigen sich aktuell in 77 Prozent der Oberflächenwasserkörper und 29 Prozent der Grundwasserkörper (4): Hier besteht dringender Handlungsbedarf!

Bei der Grundwasserneubildung ist die Qualität des nachkommenden Wassers ein wichtiger Faktor. Hier sind vor allem Landwirt*innen gefragt, auf Dünger und Pflanzenschutzmittel zu verzichten bzw. auszubringende Mengen auf ein absolutes Minimum zu begrenzen. Dass das funktionieren kann, zeigen neben ökologisch wirtschaftenden Betrieben auch bereits heute konventionelle Landwirtschaftsbetriebe.
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Der Trend zur Bewässerung und damit der Wasserbedarf seitens der Landwirtschaft steigt aktuell in Deutschland mit jedem Dürrejahr. Damit auch in Zukunft Wasser für alle vor Ort zur Verfügung steht, braucht es hier ein gutes Monitoring und klare Regeln, wie viel Wasser pro Jahr entnommen werden darf. Alternativen zur Bewässerung können Pflanzensorten sein, die mit den sich ändernden Bedingungen besser zurecht kommen. Verschattende Maßnahmen wie Agroforst oder Agri-PV sind weitere Optionen.

Weitere wichtige Partner*innen im nachhaltigen Umgang mit Wasser sind INDUSTRIE UND GEWERBE. Neben dem teils enormen Wasserverbrauch für Kühlprozesse stellt die Belastung des Wassers mit Schadstoffen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein Problem dar.
Für die Kühlung benötigtes Wasser sollte auf ein Minimum reduziert und am besten in einem Kreislauf geführt werden. Das entlastet vor allem Oberflächengewässer, denen das benötigte Wasser entnommen wird.
Wasser- und klimaschonende Produkte und Produktionsverfahren müssen bereits von Anfang an gedacht werden. Statt "End-Of-Pipe", also dem Herausfiltern schädlicher Stoffe am Ende des Herstellungsverfahrens oder gar aus den Gewässern, muss das Entstehen von Schadstoffen verhindert bzw. erheblich reduziert werden.

Die ENERGIEWIRTSCHAFT verbraucht aktuell das meiste Wasser in Deutschland (5). 2019 waren es 8,8 Milliarden Kubikmeter, die vor allem in der Produktion von Kohle- und Atomstrom anfielen. Über Kühltürme von Atom- und Kohlekraftwerken verdampfen enorme Mengen Wasser, das vor allem aus Flüssen entnommen wird. Steht nicht genügend Kühlwasser zur Verfügung - z.B. bei Niedrigwasser - bzw. ist das Wasser der Flüsse bereits zu warm - z.B. nach einer längeren Hitzeperiode -, müssen diese Kraftwerke ihre Leistung drosseln bzw. ganz vom Netz. In einer Klimakrise ist diese Energie keine Option.

Kohle-Tagebaue setzen weite Teile der Abbauregion aufs Trockene. Allein im Lausitzer Revier werden TÄGLICH 1 MILLION KUBIKMETER Wasser abgepumpt, damit die Tagebaue im Betrieb nicht voll laufen. Und selbst nach dem Schließen eines Tagebaus treten noch Probleme auf: Das allmählich wieder ansteigende Grundwasser kann erheblich mit Sulfat und Eisenschlamm belastet sein, das aufwendig gefiltet bzw. gemischt werden muss, wenn es in Oberflächengewässer gelangt.

Die Umstellung auf Erneuerbare Energien ist damit auch hinsichtlich einer nachhaltigen Nutzung von Wasser unabdingbar.

KOMMUNEN sind Schlüsselakteure bei Klimaschutz und der Anpassung ihrer Region an die Klima- und Wasserkrise. Dafür zentrale Aufgaben wie etwa Hochwasserschutz, die Trinkwasserver- und Abwasserentsorgung, Mobilitätsangebote, aber auch die Energieversorgung liegen in kommunalen Händen. Als Stellwerke für eine nachhaltige Zukunft brauchen sie Wissen, Engagement, die richtigen Rahmenbedingungen und Unterstützung.
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JEDE*R FÜR SICH kann den Umgang mit Wasser ändern. Weniger. Regional. Naturbelassen. Lieber reparieren, statt neu kaufen: Mit einem bewussten Konsum lässt sich nicht nur viel Wasser sparen, sondern auch der Einsatz und Ausstoß von Schadstoffen reduzieren, die Luft, Wasser und Boden verschmutzen.
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