Václav und Vincenc Rýdl

Václav (li) und Vincenc Rýdl (re)

Als es am 16. Mai 1944 im Beisein seines Sohnes Zdeněk an der Tür von Václav Rýdl klopfte, war ihm bewusst, was ihn erwartete.
Bereits am Tag zuvor nahm er, unter dem Vorwand eine Kanne Milch holen zu wollen, Abschied von der Familie seiner Schwester Růžena. Ein letztes Mal unterhielten sie sich an diesem Abend über die großen innen- und außenpolitischen Fragen und beteuerten sich, dass es bald zu einem Ende des Krieges kommen würde. Nicht mehr dabei sein konnte ihr Bruder Vincenc, der schon am 28. März 1944 von der Gestapo abgeholt wurde.

Václav und Vincenc Rýdl gehörten einer 49-köpfigen Gruppe von kommunistischen Widerständler*innen in der Umgebung der Stadt Hronow an, die zum Teil bereits seit der Besetzung des Protektorats Böhmen und Mähren im Frühjahr 1939 Widerstand gegen das NS-Regime leistete. Neben dem Verteilen illegaler Drucksachen der Widerstandszentrale in Czelakowitz, sammelten sie Informationen über die deutsche Rüstungsproduktion, halfen bei der Herstellung von Sprengstoff für Sabotageakte und unterstützten die Familien der bereits Verhafteten mit Sammelaktionen. Zwischen dem 17. Februar und dem 16. Mai 1944 wurde die Gruppe von der Gestapo ausgehoben.

Vincenc, von Beruf Spinner, war bis zum Verbot 1938 langjähriger Vorsitzender der Kommunistischen Partei in Velké Poříčí und wirkte am örtlichen Arbeitertheater mit. Seine politische Überzeugung bewog ihn früh, sich dem Widerstand gegen die Nationalsozialisten anzuschließen und diesen in der Region aufzubauen. Sein Bruder Václav, ein fußballbegeisterter Weber, schloss sich erst Ende 1942 dem Widerstand an. Er verteilte antideutsche Flugschriften und sammelte Spenden für die Betroffenen der nationalsozialistischen Repression. Wie viele andere Widerstandsgruppen zuvor wurde auch ihre Zelle von den technisch hochgerüsteten Gestapo-Spitzeln infiltriert. Nach ihrer Verhaftung brachte man die Gruppe zunächst in das berüchtigte Gestapo-Untersuchungsgefängnis Prag-Pankrác und von dort in das Gestapo-Gefängnis in der Kleinen Festung von Theresienstadt. Im Januar 1945 wurden sie in die Haftanstalt Mathildenstraße in Dresden verlegt. Bis zu diesem Zeitpunkt standen in Dresden bereits mehr als 6000 Tschech*innen in Hoch- und Landesverratsprozessen vor dem Oberlandesgericht bzw. dem Ermittlungsrichter des Volksgerichtshofs am Landgericht - 493 von ihnen wurden hingerichtet.

Aufgrund der Bombardierung Dresdens kam es zu keinem Urteil gegen die Gruppe aus Hronow. Das allgemeine Chaos nutzten einige Mitglieder der Gruppe, um aus dem Gefängnis zu fliehen und bis zur Befreiung unterzutauchen. Václav und Vincenc Rýdl haben diese nicht mehr erlebt. Gemeinsam mit ihren Weggefährten František Bitnar und Jaroslav Žid fanden sie in den Trümmern der Mathildenstraße den Tod.