Leipziger Autoritarismus-Studie 2018

Leipziger Autoritarismus-Studie 2018

Urheber/in: Grit Ebert. Public Domain.

 

Die "Leipziger Autoritarismus-Studie" der Universität Leipzig von Dr. Oliver Decker und Prof. Dr. Elmar Brähler (Hauptautor und Herausgeber) liegt für das Jahr 2018 vor. Sie ist in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung und der Otto Brenner Stiftung erstellt worden. In der seit 2002 laufenden repräsentativen Befragung wird die Verbreitung von rechtsextremen Einstellungen ebenso untersucht, wie die Zufriedenheit mit demokratischen Institutionen und Werten.

Als sächsische Landesstiftung haben wir insbesonders wahrgenommen, dass die Studie erneut zeigt, dass die Unterschiede in den Einstellungen zwischen ost- und westdeutschen Bundesländern deutlicher ausfallen als zwischen nord- und süddeutschen. Insbesondere die Anschlussfähigkeit rechtsextremer Einstellungen an die Handlungsbereitschaft und Gewaltaffinität von Teilen der ostdeutschen Gesellschaft macht den Alltag in Ostdeutschland ausschließend und gefährlich. Rassismus, Ausschluss und Gewalt sind eben auch in Sachsen eine häufige Erfahrung.

Die Studie legt erstmals ein besonderes Augenmerk auf den Personenkreis, der die Fragen nach autoritären oder menschenfeindlichen Einstellungen mit 'teils-teils' beantwortet. Die je nach Frage und Dimension 20 bis 40 Prozent der Befragten können als Potenzial für autoritäre, menschenrechtsfeindliche Politiken interpretiert werden, aber auch als Kreis, um den sich politische Kommunikation bemühen muss, um sie für demokratische Angebote (noch) zu erreichen.

"Wenn bis zu einem Drittel der Befragten bei Fragen zu Abwertung sozialer Gruppen ein 'teils-teils' angeben, besteht die Aufgabe der politischen Bildung und Kommunikation darin, solidarische Institutionen und solidarisches Handeln zu stärken."
(Stefan Schönfelder, Geschäftsführer von weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen)

Erstmals widmete sich die Studie Zusammenhängen zwischen autoritären Einstellungen und Fragen von Anerkennung. Die Anerkennnung als Bürgerin und Bürger im Umgang mit Behörden ist sozial ungleich verteilt, wie die Studie zeigt: Mehr als ein Drittel der Befragten hat den Eindruck, seine Rechte bestünden nur auf dem Papier.

"Rechtsextreme Einstellungen hängen auch mit mangelnder Anerkennung zusammen. Das bestärkt uns in unserer Haltung, dass eine demokratische Gesellschaft vor allem starke soziale Infrastrukturen braucht. Arme und sozial Schwache müssen in ihren Rechten gestärkt werden, und nicht diskriminiert."
(Hannah Eitel, Fachstelle Strategien gegen Rechtspopulismus des Verbundes der Heinrich-Böll-Stiftungen)

Die Werte zu Muslimfeindschaft, Ausgrenzung von Roma und Sinti und Ausländerfeindlichkeit insgesamt sind erschreckend hoch und wachsen weiter. Die aktuellen Zahlen zu antisemitischen Einstellungen sind ebenfalls alarmierend. Zwischen 10 und 50 Prozent der Befragten äußern sich zustimmend bei antisemitischen Aussagen, wenn diese über Umwege abgefragt werden.

"Dieses Ergebnis bestätigt die Vermutung, dass das antisemitische Ressentiment zwar von einer sozialen Norm verhüllt wird, aber in der deutschen Gesellschaft tief verwurzelt ist. Das nur notdürftig überdeckte antisemitische Ressentiment dient als Nährboden wie als >Rechtfertigung< für antisemtische Taten"
(Stefan Schönfelder)

Die „Leipziger Autoritarismus-Studie 2018: Flucht ins Autoritäre – Rechtsextreme Dynamiken in der Mitte der Gesellschaft“ wurde am 7. November 2018 in der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt. Mit ihr wird die bis 2016 unter dem Titel "Leipziger-Mitte-Studie" bekannt gewordene Reihe unter neuem Namen fortgesetzt. Der Titel "Mitte-Studien" wird zukünftig für die Studienreihe der Friedrich-Ebert-Stiftung verwendet. Die Studie basiert stets auf einer repräsentativen Erhebung mit 2.000 bis 5.000 Personen. Für die aktuell vorliegende Studie wurden rd. 2.400 Personen befragt.

Nach all der Theorie bleibt uns jetzt noch, einen Aufruf zu starten: Lasst uns dafür sorgen, dass sich niemand in unserer Gesellschaft als Bürger*in 2. Klasse fühlt. Soziale Anerkennung stärkt jeden Einzelnen und die Demokratie!

 

Die Leipziger Autoritarismus-Studie 2018 - Flucht ins Autoritäre – Rechtsextreme Dynamiken in der Mitte der Gesellschaft zum Nachlesen:

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