Gemeinsam Gärtnern

Gemeinsam Gärtnern

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Bürgergärten in Sachsen
von Florian Etterer und Michael Berninger

 

Gemeinschaftliches Gärtnern und Urbane Landwirtschaft stehen schon seit längerem im Mittelpunkt des medialen Interesses. Mittlerweile haben sich auch in mitteldeutschen Städten mehrere Projekte etabliert und sind ein wichtiger Treffpunkt für die Nachbarschaft. Gleichzeitig bedrohen zunehmend Investorendruck und knappe Haushaltsmittel Zwischennutzungen und die Grünraumversorgung der Bevölkerung. Aber auch hier kämpfen Bürgerinitiativen für den Erhalt und die Mitgestaltung einer lebenswerten Wohnumwelt.
Unterstützt durch Weiterdenken initiierten das Leipziger Gartenprogramm und das Gartennetzwerk Dresden an zwei Wochenenden im Juli einen gegenseitigen Besuch von Akteuren aus Dresden und Leipzig. Auf dem Programm standen Exkursionen zu verschiedenen Projekten und in diesem Kontext das gegenseitige Kennenlernen, Erfahrungsaustausch und gemeinsame Ideen spinnen.
Die Vielfalt der bestehenden Gemeinschaftsgärten in beiden Städten ist sehr beeindruckend. Abhängig vom Standort, den verfügbaren Ressourcen (Akteure, Kompetenzen, Infrastruktur, etc.) und den jeweiligen Zielsetzungen entstanden ganz unterschiedliche Orte: Der Aprikosengarten im Dresdner Stadtteil Pieschen versteht sich beispielsweise als Mehrgenerationenprojekt und konnte aufgrund des in der Gruppe existierenden gärtnerischen Wissens einen vielschichtigen und ästhetisch ansprechenden Garten entwickeln. Der Gemeinschaftsgarten Querbeet im Leipziger Osten ist hingegen deutlich mehr ein Ort für kulturelle Veranstaltungen und beeindruckt insbesondere durch die Sommerküche und das Gewächshaus die das handwerkliche Geschick der Akteure widerspiegeln. Und die Besonderheit im Gemeinschaftsgarten Annalinde ist der Versuch eines produktiven Anbaus von Lebensmitteln in mobilen Beeten.
Im Gespräch mit Herrn Thiel (Leiter des Amts für Stadtgrün und Abfallwirtschaft der Landeshauptstadt Dresden - ASA) wurde jedoch deutlich, dass diese Multi-funktionalität und Vielfalt der Gemeinschaftsgärten für die Stadtverwaltungen eine besondere Herausforderung darstellt. Denn gerade dadurch unterscheiden sie sich von den vielen und schon lange bestehenden Kleingartenvereinen, die außerdem deutlich introvertierter agieren. Gemeinschaftsgärten sind nachwievor Neuland für die Verwaltungen und bislang fehlen in der Regel klar definierte Ansprechpartner und Zuständigkeiten. Gerade vor dem Hintergrund des Stellenabbaus und der Reduzierung von Haushaltsmitteln bedarf es hier klarer Signale und Positionierungen seitens der politischen Entscheidungsgremien um die Verwaltung bei ihren Aufgaben zu unterstützen.
Die verschiedenen Gemeinschaftsgärten verfügen aber auch über viele Gemeinsamkeiten. Neben dem offenen Charakter der Projekte ist allen Akteuren eine langfristige Perspektive und eine Verstetigung ihrer Vorhaben ein besonders wichtiges Anliegen. Dabei wurde auch deutlich, dass der Umzug von Gemeinschaftsgärten an neue Standorte meist nicht ohne weiteres möglich ist. Denn entstandene nachbarschaftliche Netzwerke lassen sich nicht beliebig verlagern und ein Neubeginn bedeutet immer einen zusätzlichen Kraftaufwand, der eine Gruppe auch schnell überlasten kann. Das Thema der Flächensicherung ist in beiden Städten aktuell besonders brisant, da gleich mehrere Projekte einer unsicheren Zukunft entgegen treten. Muss sich der Aprikosengarten «nur» mit einem erheblichen Flächenverlust und der Umgestaltung des Gartens abfinden, so müssen die Internationalen Gärten als ältester Gemeinschaftsgarten Dresdens dem Bau eines Parkhauses weichen und bisher konnte noch keine Alternativfläche gefunden werden. Dies ist ein besonders trauriges Beispiel da sich die lokale Politik andererseits auch gerne mit derart erfolgreichen Integrationsprojekten rühmt. Wo aber bleibt die Unterstützung?
Aber nicht nur Gärten sind regelmäßig von dem wachsenden Investorendruck in Dresden und Leipzig bedroht. So setzt sich der Verein Hufewiesen Trachau in Dresden für den Erhalt der 13 Hektar großen innerstädtischen Wald- und Wiesenlandschaft ein und arbeitet an tragfähigen Konzepten für die zukünftige Pflege und Bewirtschaftung des Geländes um dieses dadurch vor der beabsichtigten Bebauung zu retten. Bei den Konzepten spielen insbesondere Ideenansätze wie z.B. solidarische Landwirtschaft und gemeinschaftliches Gärtnern eine zentrale Rolle. Trotz einzelner Erfolge der Initiative ist die Zukunft der Hufewiesen nach wie vor ungewiss.
Deutlich weiter sind bereits die Planungen zum Bürgerbahnhof Plagwitz in Leipzig. Bei der geplanten Umgestaltung des etwa 18 ha großen Areals des ehemaligen Güterbahnhofs Plagwitz zu einer öffentlichen Grünfläche wurde auf Anstoß einer Interessenvereinigung ein Bürgerbeteiligungsprozess initiiert, in dessen Folge Bürgerprojekte wie Bauspielplatz und Bürgergärten Berücksichtigung fanden. Derartige Planungsprozesse ziehen sich jedoch häufig über Jahre und erfordern von den engagierten, ehrenamtlichen Bürgern häufig einen langen Atem, dessen sich Politik und Verwaltung auch immer wieder bewusst werden sollten. Mit der Umsetzung der Planung soll Ende 2015 begonnen werden.
Der Austausch auf regionaler Ebene wurde von den Akteuren begrüßt und soll unbedingt weiter gehen. Neben Initiativen aus Chemnitz ist die Beteiligung von Landgemeinschaften und Verbraucherinitiativen wünschenswert, sowie auch eine Verbindung zu Bürgergruppen aus dem Bereich Stadtentwicklung und den klassischen Grünverbänden (NABU, Grüne Liga, BUND, BDLA, DGGL und sächsischer Heimatschutz) zu suchen.
Mehr Informationen zu den Leipziger und Dresdner Garteninitiativen gibt es unter:
www.garten-leipzig.net
www.dresden-pflanzbar.de

 

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