Evangelikale in Sachsen - Ein Bericht

Evangelikale in Sachsen - Ein Bericht

Der sächsische Biblebelt

Evangelikaler Fundamentalismus vs. vielfältige Demokratie

Mit dem hier vorgestellten Artikel setzt Weiterdenken eine Debatte fort, die wir 2012 mit Oda Lambrecht und Christian Baars begonnen haben. Die Autor_innen stellten ihr Buch „Mission Gottesreich -Fundamentalistische Christen in Deutschland“ in Dresden und Schwarzenberg vor. Obwohl Sachsen kaum eine Rolle im Buch spielte, schienen die Veranstaltungen einen wunden Punkt getroffen zu habe. Die folgenden Diskussionen zum Thema waren intensiv und sehr kontrovers und haben uns veranlasst, den aufgeworfenen kritischen Fragen unter einem sächsischen Fokus weiter nachzugehen. Denn hier gibt es starke evangelikale Bewegungen, deren Weltsicht aber vor allem deren Versuche der politischen Einflussnahme mit den Werten einer emanzipatorischen Demokratie kollidieren. Die Journalistin Jennifer Stange erhielt daher von uns den Rechercheauftrag, sich eingehender mit den lokalen evangelikalen Strömungen und ihrer gesellschaftspolitischen Einflussnahme auseinanderzusetzen. Die Ergebnisse ihrer Recherche sind besorgniserregend: regelmäßig werden aus diesem Spektrum homophobe und islamophobe Positionen laut, werden Feminismus und Gender-Mainstreaming bekämpft, repressive, patriarchale Gesellschaftsentwürfe als alternativlos befördert und der Schulterschluss mit so mancher rechtsradikaler Position ist erschreckend augenfällig. Wenn fundamentalistische Gesellschaftskritik dann noch auf lokale- und landespolitische Andockungspunkte statt auf klare Abgrenzung trifft, greift dies die Werte einer demokratischen, pluralistischen und aufgeklärten Zivilgesellschaft an. Deren Verteidigung und Bestärkung sind wir als politische Stiftung verpflichtet, unser Augenmerk liegt daher vor allem auf der Beförderung des entsprechenden kritischen Diskurses.

So liefert der folgende Artikel einen ersten Überblick über die evangelikale Szene und ihrer gesellschaftspolitischen Positionen in Sachsen und verdeutlicht klar den hier entstandenen antidemokratischen und manipulativen Aktivismus. Die tragenden fundamentalistischen Akteur_innen finden immer wieder Fürsprecher_innen auch aus dem politisch konservativen Spektrum, eine klare Abgrenzung ist kaum erkennbar. Auch die Evangelische Landeskirche sind Teil des demokratischen politischen Feldes und müssen gegenläufigen Strömungen unter ihrem Dach entgegenwirken und klare Abregrenzungen zu den im folgenden dargestellten Positionen bieten.

Uns geht es ausdrücklich nicht um die Bewertung kompletter Gemeinden oder einer Bewegung in Gänze, auch setzen wir die Evangelische Landeskirche und auch nicht alle freikirchlichen Gruppierungen mit dem beschriebenen Akteur_innen und ihren Unterstützer_innen gleich. Dennoch bietet der Essay einen kritischen Blick in ein nicht wenig einflussreiches Spektrum hier in Sachsen, der expliziten demokratischen Widerspruch unabdingbar macht.

Wir wollen hierzu weitere Informationen liefern und die entsprechenden politischen Debatten befördern.

 

Im Bericht von Jennifer Stange wird häufig auf die "Markersbacher Erklärung" Bezug genommen.
Sie heißt im Original "Erklärung 144 sächsischer Kirchgemeinden zum „familiären Zusammenleben“ im Pfarrhaus".
Darin heißt es:

In § 39 Abs. 1 des Pfarrdienstrechts der EKD, das ab 1. Januar 2012 in allen Landeskirchen im Bereich der EKD gelten soll, wird vom „familiären Zusammenleben“ im Pfarrhaus gesprochen. Dieser Begriff soll bewusst auch andere Lebensformen neben der Ehe von Mann und Frau – z. B. homosexuelle Lebenspartnerschaften – einschließen, wie es die „Begründung“ zum Pfarrdienstgesetz erläutert.
Die unterzeichnenden Kirchgemeinden bitten die Kirchenleitung und die Synode unserer sächsischen Landeskirche inständig, an der „Feststellung“ der Kirchenleitung vom 29.08.2001 festzuhalten, in der unter Punkt 2 b) ausdrücklich ausgesagt wird, dass „eine homosexuelle Beziehung nicht im Pfarrhaus gelebt und nicht zum Inhalt der Verkündigung gemacht“ werden darf (Abl. 2001, B 53).

Die Erklärung mit einer Liste aller unterzeichnenden Gemeinden mit Stand vom April 2012 findet sich hier (pdf-Datei, 466 kB).

In der Karte unten haben wir alle alle unterzeichnenden Gemeinden nach dieser Liste eingetragen, die auch über die Suchfunktion in der Karte zu recherchieren sind.

 

 

 

Ergänzung September 2015:

In der Mitteldeutschen Zeitung warnt der Ex-EKD-Vorsitzende Nikolaus Schneider vor rechtsradikalen Tendenzen im Protestantismus.

Kommentare

Eine Bedrohung für die Werte einer demokratischen, pluralistischen und aufgeklärten Zivilgesellschaft sind nicht die Evangelikalen, sondern links-grüne Fundamentalisten, die am liebsten sehen würden, dass christliche Positionen aus dem gesellschaftlichen Diskurs ausgeschlossen sind. Sie können vom Mainstream abweichende Denkweisen nicht einmal bei einer kleinen Minderheit tolerieren.

 

"Sehr geehrter Herr Hahn,
wenn Sie uns mit "links-grüne Fundamentalisten" meinen, so irren Sie. Wir wollen nicht" christliche Positionen aus dem gesellschaftlichen Diskurs ausschließen", sondern machen darauf aufmerksam, wo innerhalb des christlichen und öffentlichen Diskurses diskriminierende Haltungen zum Vorschein kommen und regen an, sich mit diesen auseinanderzusetzen. Ja, wir stehen auch dafür, solchen Haltungen zu widersprechen, weil wir Diskriminierung zum Beispiel auf Grund der sexuellen Orientierung nicht für tolerabel halten."

Es ist erschreckend, wie Evangelikale in dem Bericht diffamiert werden. Christen - auch nicht evangelikale Christen - sind Rechtsextremisten! Es sind Menschen, die besonders stark gegen Antisemitismus vorgehen. Konservative Christen in der sächsischen Landeskirche oder in Freikirchen bringen sich sehr stark für ihren Nächsten ein, zum Beispiel in vielen sozialen Initiativen.
In Deutschland herrscht zum Glück Glaubensfreiheit. Es ist das gute Recht eines jeden in unserem Land, die Bibel ernst zu nehmen (so wie es das gute Recht eines jeden ist, dies nicht zu tun). Die Heinrich-Böll-Stiftung sollte dieses Recht anderen nicht absprechen!

"Sehr geehrter Herr Krauß,
der Bericht stellt nicht in Abrede, dass Christinnen und Christen sich gegen Antisemitismus engagieren und für den Nächsten einsetzen. Der Bericht zeigt, dass innerhalb der christlichen Gemeinden Minderheiten mit diskriminierenden Positionen auftreten und forden zu einer kritischen Auseinandersetzung auf. Wir sprechen auch nicht jemandem ein Recht ab, die Bibel so ernst zu nehmen, wie er oder sie es will. Wir halten es aber nicht für rechtens, wenn daraus entstehende Diskriminierungen von Menschen mit anderen Lebensweisen zur gesellschaftlichen Norm gemacht werden sollen."

Nichts gegen kontroverse Debatten - sie sind in einer Demokratie absolut notwendig! Aber über die Methoden sollte man nachdenken. Wir haben uns heute beim Abendbrot am Familientisch darüber unterhalten und dabei die Google-Karte mit den Markierungen erwähnt. Spontaner Kommentar unseres Sohnes: "Das erinnert mich an ein Bild aus unserem Geschichtsbuch, wo ein Schild mit Namensliste an einem Laternenpfahl befestigt war." Auch das gab es in Deutschland schon. Heute reicht dazu Google Maps. Dieser Vergleich ist leider nicht ganz von der Hand zu weisen. Man sollte aus der Geschichte lernen. Der Heinrich Böll Stiftung ist zu wünschen, zu seriöseren Methoden zurück zu finden.

 

"Sehr geehrte Familie Adler,
ihre Andeutung an "ein Bild aus unserem Geschichtsbuch, wo ein Schild mit Namensliste an einem Laternenpfahl befestigt war" irritiert uns. Leider kennen wir das Bild nicht und deshalb wird uns nicht klar, auf welches geschichtliches Ereignis Sie damit verweisen wollen. Spekulationen wollen wir nicht machen, also vielleicht können Sie konkreter werden. Die Darstellung der Gemeinden, die einen Brief unterschreiben, auf einer Karte ist eine einfache Wiedergabe von Fakten und von Haltungen, die die Unterzeichnenden freiwillig und öffentlich gemacht haben. Mit den angedeuteten historischen Verfolgungen hat das nichts zu tun. Das haben Sie Ihrem Sohn hoffentlich erklären können."

Es ist sehr erschreckend, aber auch nicht verwunderlich, wie Christen in dem Beitrag diffamiert werden. Es wird deutlich, dass die 68er, gerade auch die Grünen, tatsächlich Lichtjahre von einer freiheitlichen Demokratie entfernt sind, denn sie diffamieren alle, die nicht ihre Überzeugungen teilen, zu Feinden der Demokratie, zu einer Gefahr für den Staat. Alles, was nicht ihre "emanzipatorische" Auffassungen teilt, ist für sie "repressiv" - tatsächlich sind sie selbst massiv repressiv, da sie gar keine andere Meinung zulassen. Was sich hier anbahnt, ist Christenverfolgung unter dem Deckmantel, die Demokratie verteidigen zu müssen. Das ist der Marsch in den öko-humanistischen Totalitarismus.

"Sehr geehrter Herr Sckerl,
wie wir auf Ihrer Homepage www.lutherische-bekenntnisgemeinde.de gut nachvollziehen können, halten Sie Homosexualität für Sünde. Ja mehr noch, Sie schreiben: "Es gibt Befreiung von, Erlösung aus der Homosexualität!". Das steht Ihnen zu. Wir halten das aber für eine Herabwürdigung von Menschen und wenn Sie das zu einer Norm für die gesamte Gesellschaft machen wollen, wollen wir Ihnen widersprechen. Keineswegs  "diffamieren [wir] alle, die nicht ihre Überzeugungen teilen, zu Feinden der Demokratie, zu einer Gefahr für den Staat.", sondern wir treten ihnen mit einem anderen Menschen- und Gesellschaftsbild entgegen. Dass Sie aus dem Bericht eine "Christenverfolgung" herbeireden, befremdet uns und entspricht nicht dem Duktus unserer Publikation, aber auch das steht Ihnen frei."

Drehen wir den Spieß doch einfach mal wahrheitsgemäß um:
"Denn hier gibt es starke linksradikale Bewegungen, deren Weltsicht aber vor allem deren Versuche der politischen Einflussnahme mit den Werten einer freien Demokratie kollidieren. Die Ergebnisse ihrer Recherche sind besorgniserregend: regelmäßig werden aus diesem Spektrum antischristliche und familienzerstörende Positionen laut, werden Feminismus und Gender-Mainstreaming erzwungen, bewährte Gesellschaftsentwürfe ignoriert und gefährliche Dammbrüche kriminell durchgesetzt durch Untergrabung und Geheimhaltung. Wenn fundamentalistische Gesellschaftskritik dann noch auf lokale- und landespolitische Andockungspunkte statt auf klare Abgrenzung trifft, greift dies die Werte einer demokratischen, pluralistischen und aufgeklärten Zivilgesellschaft an. Deren Verteidigung und Bestärkung sind wir als politische Stiftung verpflichtet, unser Augenmerk liegt daher vor allem auf der Beförderung des entsprechenden kritischen Diskurses.

Jeden Text kann ich so bearbeiten !!! JEDEN !!! Es wird ganz einfach die Fundamentalismuskeule ausgepackt, gewürzt mit ein bisschen rechter Neigung und schon haben wir friedliche Bürger diffarmiert.
Das ist sooo dumm und sooo billig!
Gute Argumente gibt es nicht. Warum? Weil es ein absolut gefährliches Massenexperiment ist. Dieses Massenexperiment ignoriert sogar Forschung und Wissenschaft!

Wie gefährlich ist man, wenn man sagt, dass Kinder einen Vater und eine Mutter brauchen?

 

"Sehr geehrte/ sehr geehrter "Ela",
es ist schwer Ihnen zu antworten. Offensichtlich können Sie Familie nur aus dem Zusammenleben von Kindern mit einem Vater und einer Mutter akzeptieren. Wir halten die Menschheit für vielfältiger und wollen für alle Formen des liebevollen und verantwortungsvollen Miteinanders gute Lebensbedingungen schaffen. Das ist nicht "antichristlich" - es gibt einfach viele homosexuelle Christinnen und Christen - das ist gegen Diskriminierung gewandt und dies - wie es sich in einer Demokratie gehört - mit Argumenten und Haltung."

Für jemanden, der mit offenen Augen durch die Sächsische Landeskirche geht, ist dieser Bericht nichts Neues. Die Ursache liegt m.M.n. in einer historisch bedingten Verquickung von Bergbau und der damit verbundenen Frömmigkeit, Herrnhuter Mission, DDR-Zeit und Wende, Abwanderung und Zurückbleiben der Übriggebliebenen.

Die aktuelle Diskussion ist ein Wiederaufflammen einer Diskussion, die um die Frauenordination schon in den 70ern ziemlich unschön ausgefochten wurde. Letztendlich geht es nicht um diese ethischen Einzelfragen, Frauenordination oder Homosexualität, sondern um die Autorität von angeblich klaren biblischen Aussagen. In Zeiten, die verunsichern (staatlicher Druck zu DDR-Zeiten oder eine sich stark wandelnde Gesellschaft, die viele Hoffnungslose zurücklässt und Familien auseinanderreißt, weil die Kinder der Arbeit hinterher ziehen) freuen sich Menschen immer über die Dinge, die schon immer so waren und deshalb bleiben sollen. Die Angst, die schon da ist und die Inkompetenz angesichts von 1000 Möglichkeiten eigene Entscheidungen zu treffen, wird durch fundamentalistische Prediger mit Hilfe von Angstverstärkung genutzt, um Leute nicht einmal mit böser Absicht auf Linie zu bekommen. Den Theologen begegnet immer wieder der Satz: "Sagen Sie uns doch, was wir tun sollen!" Dagegen verwehren sich die Theologen und die, die das fragen, laufen zu Menschen, die ihnen nicht nur antworten: "Es gibt diese und diese Möglichkeiten, entscheiden musst du dich selbst."

Lautes Rufen gegen Meinungen, die rechtsradikalem Gedankengut nahestehen, so gern wir nichtfundamentalistischen Sächsischen Christen das tun, hat nichts zur Folge, außer, dass wir gebrandmarkt werden als Sünder, heimlich als Ungläubige auf Listen geführt werden und nicht mehr in Gemeinden solcher Prägung eingeladen werden. Dass wir aus den Kirchenvorständen rausgemobbt werden oder wir einfach nicht mehr die Kraft haben uns ständig verteidigen zu müssen. So wie der Landesbischof manchmal ziemlich kraftlos erscheint. Aber es gibt viele, die in den Gemeinden Toleranz vorleben, die an den Universitäten gegen die fundamentalistischen Strukturen arbeiten und informieren, aufklären und endlosen Diskussionen stand halten. Und mehr können wir derzeit nicht tun. Das evangelikale Netzwerk ist bereits ziemlich alt, die meisten Mitglieder kommen aus einer Generation Pfarrer und der Generation danach und sie ist ziemlich zahlungskräftig (hat eben das Geld für große Veranstaltungen, teure Referenten, Bands, Technik, etc.). Dagegen kommt man nicht leicht an. Die Position der Sächsischen Landeskirche ist eben nicht: "Wir werfen sie alle raus!", sondern wir versuchen mit ihnen zu leben, weil wir in Christus immer noch eine Kirche sind. So hat sich die Kirchenleitung lange dagegen verwehrt Lutz Scheufler zu kündigen, eben weil ihn das zum Märtyrer gemacht hätte und eine neue Formierung des evangelikalen Lagers verursacht hätte. Lange haben sie versucht ihn von einer anderen Position zu überzeugen, statt ihn nur angewidert fallen zu lassen. Was für eine andere Wahl haben wir denn, wenn wir uns nicht einfach abwenden wollen, sondern versuchen etwas zu tun?

 

"Sehr geehrte/ sehr geehrter "Junia",
Danke für die nachdenklichen Worte. Ich hoffe, dass wir mit unserer Schrift ein wenig Mut geben können, die Diskussion auch unter den sächsischen Christinnen und Christen fortzuführen. Es lohnt sich, schon für die Gewinnung der eigenen Klarheit. Sie werden sicher eien Form finden, die Ihnen entspricht - so wie andere andere Formen der Diskussion und Auseinandersetzng finden."

Auf S. 29 Ihrer "Recherche" stellen Sie in eindeutig kritischen Zusammenhang, dass "Der Sächsische Jugendverband EC von seinen Mitgliedern eine christusgemäße, an der Bibel orientierte Lebensgestaltung fordert und verbindliche Zugehörigkeit und missionarische Dienste erwartet." Was ist daran so schlecht?
Es ist anzunehmen, dass Heinrich Böll Ihre bibliophobe Meinung nicht geteilt hätte. Lesen Sie mal nach. Und denken Sie weiter.
Ihre Veröffentlichung ist ein überaus gelungenes Beispiel für eine "Recherche", deren ideologisches Schreibziel von vornherein festgelegt war. Das finde ich "besorgniserregend".

 

"Sehr geehrter Herr Adler,
Heinrich Böll ist gemeinsam mit seiner Frau 1976 aus der katholischen Kirche ausgetreten und nach eigener Aussage ein religiöser Mensch geblieben. Sein Verhältnis zur Kirche und insbesondere zum Klerus ist zeitlebens spannungsreich und kritisch. Lesen Sie mal nach."

Gott sei gedankt für unsere sächsischen "Sümpfe und Weiher"! Gott schenke Regen! So spricht der HERR: "Denn ich will Wasser gießen auf das Durstige und Ströme auf das Dürre." (Jes. 44,3)
Gott segne Sachsenland, wo fest die Treue stand in Sturm und Nacht.

„Ich möchte lieber in der schlechtesten christlichen Welt leben, als in einer nichtchristlichen, denn in einer christlichen Welt ist immer auch Raum für die Schwachen.“ Heinrich Böll

So gut ich es auch finde, dass biblizistische, bzw. fundamentalistische Gruppierungen und ihre oftmals anti-demokratischen, vermeintlich an der Wortwörtlichkeit der Bibel festgemachten Ideologien aufgedeckt und zur Diskussion gestellt werden.
Eines jedoch stört mich immer wieder an dieser und ähnlichen Berichterstattungen. Dies ist die Gleichsetzung (im Sinne eines mathematischen "="-Zeichens) der Begriffe "christliche Fundamentalisten" und "Evangelikale". Dabei wird die historische Trennung der "Evangelicals" von den "Fundamentalists" seit den 50er Jahren nicht beachtet. Es ist richtig, dass jeder Fundamentalist zum evangelikalen Spektrum gehört, aber nicht jeder Evangelikale ist Fundamentalist. Evangelikalismus ist also ein viel weiterer, auch oft schwer abzugrenzender Begriff.
Diese Ineinsetzung stört mich deshalb, weil ich mich selbst als evangelikal bezeichnen würde, aber um Himmels Willen bitte nicht als Fundamentalist. Denn obwohl ich die Bibel als Gottes geoffenbartes Wort ernst nehmen will und es als Richtschnur für meinen Glauben UND mein ethisches Handeln in der Gesellschaft sehe, so leite ich dennoch keine Herabwürdigung Homosexueller davon ab. Denn diese Sicht bedenkt die kulturelle Bedingtheit der biblischen Schriften nicht.
Was kennzeichnet also einen Evangelikalen? 3 Punkte denke ich, sind bezeichnend (und hier können naturalmente Überschneidungen mit Fundamentalisten bestehen).
1. Bibelzentriertheit: der Vorrang des biblischen Kanons vor allen anderen Autoritäten, als in Sachen des Glaubens und der persönlichen Lebensführung das unfehlbare Wort Gottes.
2. Christuszentriertheit: Im Leben Jesu, seinem Tod und seiner Auferstehung, macht Gott ernst mit seinen Verheißungen, die er schon Abraham gegeben hat. In Jesus erfüllt sich Gottes Bund mit allen Menschen. Wer an ihn glaubt geht in Ewigkeit nicht verloren.
3. Mission: Diese frohe Botschaft (daher auch Evangelikal von Evangelium) ist es wert, verkündet zu werden. Verkündigen in Wort und Tat und vor allem in Liebe. Menschen auf Grund ihrer anderen Lebenseinstellung zu diffamieren und eine Sündenhierarchie aufzustellen, bei der sexuelle Themen wohl ganz oben stehen, ist NICHT eine Verkündigung in Liebe. Wir sollen ein Segen sein für alle Menschen!
Natürlich können die 3 oben genannten Punkte auch zu einer Kritik der aktuellen gelebten Gesellschaft werden (zB. gegen Ausbeutung, Raffgier der Märkte, Prostitution als moderne Sklaverei etc. etc.). Fundamentalisten aber möchten IHRE Sicht eines gelingenden Lebens (und in vielen Punkten mag ich mit ihnen übereinstimmen) einer ganzen Gesellschaft überstülpen. Das ist falsch. Jeder Mensch muss sich eines Tages für sein Tun selbst vor Gott verantworten. Das ist das was wir als Evangelikale glauben. Bitte setzen sie uns nicht in eins mit den Fundamentalisten, die am rechten Rande unserer evangelikalen weltweiten Bewegung sitzen. Sie führen unsere spezifischen evangelikalen Merkmale in extremo und ad absurdum.

Sehr geehrte Frau Stange,
seit vielen Jahren bin ich Pfarrer der sächsischen Landeskirche. Unsere Gemeinde ist offen für alle Menschen. Als besonders engagiert erlebe ich dabei Menschen, die aus der Landeskirchlichen Gemeinschaft kommen und solche, die wirklich tief biblisch fundamentiert sind. Das es dabei auch zu einigen Engführungen kommen kann und einer Moral, die Ihnen nicht genehm ist, gehört zu der Freiheit, die wir nicht nur in unserer Lutherischen Kirche, sondern auch in unserer Gesellschaft haben.
Ihre Aussagen rücken, in gewisser Weise leider pauschalisierend, Menschen, die Ihrer Sicht der Dinge, insbesondere im Blick auf die Sexualität des Menschen, nicht entsprechen, in die rechte Schmuddelecke. Das halte ich nicht für zulässig und für diffamierend. Mir scheint es so, als würden Sie und macnhe anderen Leute, die sich auf eine superpluralistische Gesellschaft eingelassen haben, vor Kritik fürchten. Vor langen Jahren sagte mal jemand, und dem kann ich durchaus zustimmen: "Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein."
Ich habe nichts gegen Lebensentwürfe, die anders sind, als mein eigener. Ich beurteile und verurteile nicht. Aber ich habe etwas gegen eine Ideeologie, die alles, was nicht ihrem Blickwinkel entspricht, verdammt. Sicher, die kann man auch bei einigen Evangelikalen finden. Um damit zurecht zu kommen brauchen wir niemand anderen. Aber bei jemandem, der sich den Anstrich von wissenschaftlichkeit gibt, wie Sie das tun, ist so etwas im Grunde völlig unangebracht.
Gert Flessing

Ich finde es sehr traurig, wie Christen wie z.B. Lutz Scheufler die sich treu an das Wort Gottes halten, sein Wort in Wahrheit verkündigen, eine innige Beziehung zu unserem Herrn Jesus Christus haben und sich von seinem Geist führen und leiten lassen von anderen Menschen als "Fundamentalistische Evangelikale" bezeichnet werden. Ich bin von Gott in eine Arbeit gestellt wurden, wo ich Jugendlichen helfen darf, deren Leben eben durch die gesellschaftlichen Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte kaputtgegangen ist. Es ist schlimm, wenn ein junger Mensch sich in der Pubertät "selbst entscheiden darf, ob er Mann oder Frau werden möchte", anstatt eine klare Richtung gezeigt zu bekommen und mit ihm darüber zu beten. Außerdem weiß ich von mehreren Menschen, die bevor sie zum Glauben fanden in Gleichgeschlechtlichen Beziehungen lebten. Als sie aber zum Glauben fanden, sie sofort spürten (Ohne daß ein Mitmensch sie darauf hingewiesen hat), daß sie so nicht weiterleben können, da es nicht Gottes Wille ist. Und Gott veränderte ihr Leben, so daß sie jetzt in einer glücklichen Beziehung mit einer Frau leben können. Warum zeigt der heilige Geist einem homosexuell geprägtem Menschen wenn er zum Glauben an Jesus Christus findet, daß er so nicht weiterleben kann? - Kann es nicht sein, daß es schon immer Gottes Plan war - so wie die Bibel es uns sagt - das Mann und Frau als Partner füreinander bestimmt sind?
Wie kann man von Nächstenliebe reden, wenn ich meinen Mitmenschen, der in Sünden lebt noch bestärke und im sage, daß er ruhig so weiterleben kann, wie soll er dann erkennen was der richtige Weg ist.? Wir alle sind vor Gott Sünder, jeder einzelne von uns, egal wer wir sind - Gott will uns unsere Schuld zeigen, lassen wir es zu und lassen wir uns unsere Schuld im Namen unseres Herrn Jesus Christus vergeben.

Interessanter Ansatz. Verrät allerdings mehr über die Geisteshaltung der Autoren als über den beschriebenen Gegenstand. Denn über letzteren erfahren wir wenig Substanzielles. es wäre Wert, überarbeitet zu werden.
Vielleicht bekommt das Ganze bis zu seiner Print-Publikation (2019?) noch etwas mehr wissenschaftlichen Tiefgang, eine breitere historische und gesellschaftstheoretische Perspektive und vor allem: sprachlich-gedankliche Klarheit. Und vielleicht reift dann auch die Geisteshaltung der Autor_Innen und außen etwas nach. Ich gebe die Hoffnung nicht auf.
Ein großer Fan von Heinrich Böll.

Hallo Frau Stange,

manches was Sie schreiben ist witzig, fast für eine evangelikale Satire-Veranstaltung passend.

Aber anderes ist so grob falsch, dass ich sagen muss: es war einfach nicht Ihr Thema!

Deshalb kommt auch so viel Kritik.

Hallo Frau Stange,

noch ein Nachtrag: Ich glaube, sie kennen Moslems so wenig wie die Evangelikalen, da Sie mit den gleichen Klischees arbeiten.

Ich wohne bei Dortmund - haben Sie in Leipzig überhaupt Kontakt zu Moslems?

Es gäbe zu dieser "Publikation" sicher manches anzumerken. Am bedauerlichsten ist allerdings, das solche "Studien" mit meinen Steuergeldern bezahlt werden, (http://sciencefiles.org/2012/02/14/stiftungen-die-keine-sind-oder-wer-fi...)obwohl ich die Überzeugungen in keinster Weise teile und obwohl die Grünen in Sachsen nur 4,9 % und im Bund nur 8,4 % der Stimmen errungen haben. Dies liegt glaub ich weit unter den Prozenzzahlen der Evangelischen (ca: 20%)in Sachsen. Bleibt also die Frage, wo hier eine Minderheit, die Mehrheit beeinflussen möchte.

Habe den Bericht eben gelesen und bin erstaunt, dass eine seriöse Stiftung wie die Heinrich Böll Stiftung nicht stärker distanziert. Der Satz "Der hier veröffentlichte Text spiegelt die Meinung der Autorin wider. Diese stimmt nicht notwendigerweise mit den Ansichten von Weiterdenken überein." reicht meines Erachtens hier nicht aus. Ich fürchte, dass dieser Text massive Fehleinschätzungen und Fehlvorstellungen bei den Lesern bewirken kann. Da es in diesem Bericht überdies nicht lediglich um eine inhaltliche Positionierung, sondern vor allem um die Charakterisierung einer Gruppe von Menschen geht, ist das fatal.

Allein, dass eine derart tendenziöse Schrift wie Oda Lambrecht und Christian Baars Buch "Mission Gottesreich" als "die bisher umfangreichste kritische Darstellung fundamentalistischer Christen in Deutschland" bezeichnet wird, aber auch die breite Kritik an diesem Werk nicht eigegangen wird, ist beunruhigend.

Auch wenn in ihrem Einleitungstext betont wird, dass es ausdrücklich nicht um die Bewertung kompletter Gemeinden oder der Bewegung in Gänze gehe, so heißt es ja dennoch "der folgende Artikel [lefert] einen ersten Überblick über die evangelikale Szene und ihrer gesellschaftspolitischen Positionen in Sachsen". Diesen Überblick bleibt die Autorin dem Leser schuldig. Stattdessen zeichnet Frau Stange ein sehr einheitliches Bild der Evangelikalen und reduziert die Darstellung etlicher (Netz-)Werke und Vereine, welche sich durch eine umfangreiche Arbeit auszeichnen, auf die ihrer Position widersprechenden Teilaspekte, die innerhalb dieser Einrichtungen vorkommen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Autorin kein umfangreiches Bild vom Evangelikalismus in seiner Diversität und keine Kenntnis der Struktur vieler der von ihr genannten Vereine und Netzwerke (z.B. dem CVJM, dem EC oder der SMD) hat. Abgesehen davon, dass teilweise nicht ausreichend zwischen Regional- und Dachverbänden differenziert wird, ist z.B. die Arbeit der drei letztgenannten in der Regel vor Ort durch Eigeninitiative getragen und gestaltet sich durch die jeweiligen aktiven Mitglieder. Das innerhalb dieser Gruppen potenziell auffindbare Angebot ist so breit und unterschiedlich geprägt wie das Angebot im Christentum selbst. Die Präsenz von Gruppen aus teilweise sogar überkonfessionellen Netzwerken bei den verschiedenesten Veranstaltungen sagt nichts über die Gruppen oder den Einfluss von auf den Veranstaltungen geäußerten Positionen innerhalb dieser Gruppen aus.

Gemeinsam haben die meisten genannten Verbände die Lausanner Verpflichtung. Das heißt zunächst einmal, dass sie eine missionarische Ausrichtung haben. (Mission ist auch so ein Thema, bei dem Frau Stange eine sehr entschiedene Position vertritt) Allerdings ist diese Verpflichtung auch in ihrem historischen Kontext zu sehen und es benötigt eine gewisse theologische Grundkenntnis, die Sprache dieses Textes überhaupt zu verstehen. Auf Seite 10 behauptet die Autorn nach einem Zitat aus der "Lausanner Verpflichtung": "Aus diesem Bekenntnis spricht klar eine fundamentalistische Haltung." Ich bin irritiert, wo in den von der Autorin zitierten Passage die klare fundamentalistische Haltung zu erkennen sein soll. Zum einen ist diese Schrift kein "Bekenntnis" (sondern orientiert an den selben Bekenntnissen, an denen sich auch die Hochkirchen orientieren), zum anderen sehe ich den Unterschied zum Nicht-Evangelikalen Christentum nicht. Im Vaterunser heißt es z.B. auch "Und führe und nicht in Versuchung" und es wird gebeten: "vergibg uns unsere Schuld". Im apostolischen Glaubensbekenntnis bekennt jeder Landeskirchler: "Er sitzt zur Rechten Gottes [...], von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten". Ich erkenne da keine andere Haltung als jene, die offiziell in den Hochkirchen bekannt wird. Wenn die Autorin hier von Fundamentalismus spricht, sollte sie diese auch genauer von einem nicht-fundamentalistischem Christentum abgrenzen. Eine Nähe zur Lausanner Erklärung ist kein Kriterium, eine Gemeinde oder Bewegung als fundamentalistisch zu charakterisieren.
Bei dem weiteren Zitat aus der Erklärung (Seite 28) geht es um das Konzept der Nachfolge. Ich habe den Eindruck, dass die Autorin eher Probleme mit der für sie möglicherweise ungewohnten, frommen und der Bibel entlehnten Sprache hat. Man lese diese Passage bitte einmal und stelle sich exemplarisch dazu die Biographie Dietrich Bonhoeffers vor. In diesem Zusammenhang erscheinen dem Leser die biblisch entlehnten Formulierungen wie "Ihm nachfolgen", "sich selbst zu verleugnen", "sein Kreuz auf sich zu nehmen", "Gehorsam gegenüber Jesus Christus" und "verantwortlichen Dienst in der Welt" in einem gänzlich anderen Licht als jenes, in dem die Autotin diese Zeilen vermutlich liest.

Vor allem misst Frau Stange der Positionierung zur Homosexualität einen großen Raum bei. Es ist bekannt, dass es hierzu innerhalb des Christentums (nicht nur innerhalb des evangelikalen Christentums) Meinungsverschiedenheiten gibt. In diesem Sinne hat der Bericht keinen Mehrwert, sofern er nur aufzeigt, dass sich auch im evangelikalen Christentum ablehnende Haltungen gegenüber homosexuellem Verhalten finden lassen. Auch besteht kein Mehrwert darin, wenn lediglich betont wird, dass in einer Gruppe, bei der im Verhältnis zur Landeskirche stärker konservative Positionen vertreten sind, auch in dieser Frage konservative Positionierungen breiter vertreten sind.
Der "Bericht" könnte den Eindruck erwecken, dass Homosexuellenfeindlichkeit ein Markenzeichen des evangelikalen Christentums sei. Leider geht die Autorin nicht darauf ein, dass es auch innerhalb der evangelikalen Szene durchaus andere Positionierungen zur Homosexualität gibt, als die von ihr angeführten. Zumindest habe ich z.B. nichts von Gruppen wie Zwischenraum e.V. gelesen. Ich weiß nicht, ob Zwischenraum in Sachsen Regionalkreise hat, dennoch wäre es seitens der Autorin notwendig gewesen, liberalere Positionierungen zur Homosexualität unter Evangelikalen zumindest aufzuzeigen und aufzudecken - sofern sie sich nicht den Vorwurf der Einseitigkeit gefallen lassen muss.
Auch muss die Frage gestattet sein, ob der große Raum, den die Autorin den Einstellungen gegenüber Homosexualität gibt, wirklich in einem angemessenen Verhältnis zu der Bandbreite des evangelikalen Angebotes steht. Oder anders ausgedrückt: Nimmt die Ablehnung von Homosexualität einen derart hohen Stellenwert im Leben eines durchschnnittlichen evangelikalen Christen ein, dass hier keine Verzerrung in dem Bild stattfindet, dass Frau Stange hier "überblicksweise" von eben so einem durchschnittlichen Evangelialen zeichnet?

Zu guter Letzt schockiert mich neben der durch Unkenntnis der chrisltichen Szene geschuldeten Einseitigkeit vor allem der Umstand, dass der Bericht evangelikales Christentum rhetorisch in die Nähe von rechtsradikalem Gedankengut rückt. Ich will hier der Autorin keine Intention vorwerfen, aber gerade dadurch liest sich der Bericht für mich, als sei es erklärtes Ziel, evangelikale Christen möglichst schlecht darstellen zu lassen und auf Biegen und Brechen ein Feindbild zu zeichnen. Wenn die Autorin selbst auf der letzten Seite betont, dass es keinen kausalen Zusammenhang gäbe - WIESO wurde diesem Aspekt dann überhaupt der Platz zugemessen? Wieso legt die Autorin dann überhaupt Wert auf Formulierungen wie "der Schulterschluss mit so mancher rechtsradikaler Position ist erschreckend augenfällig"?!

Jedenfalls haben wir es hier mit keinem konstruktiven Text zu tun, sondern mit einem, der massiv Vorurteile und Fehleinschätzungen zu schüren vermag. Wichtig ist, dass Evangelikale auch Menschen sind. Wichtig ist, dass die evangelikale Szene deutlich diversitärer ist, als sie in diesem Bericht gezeichnet wird. Von einer seriösen Studie oder einem Überblick ist dieser Bericht sehr weit entfernt.

Es wäre wünschenswert gewesen, dass ein von der Heinrich Böll Stiftung angebotener Text mit dem Titel "Evangelikale in Sachsen", der sich als "Bericht" ausgibt, differenzierter wäre. Statt über die "Evangelikalen in Sachen" zu berichten, stellt die Autorin deutlich ihre eigene Positionierung zu ausgewählten Einzelthemen heraus wie z.B. der Homosexualität und der Abtreibung. Mittels dieser Einzelthemen reduziert sie evangelikale Christen auf die Reibungen, die es zu ihrer eigenen Position gibt bzw. geben könnte. Es wird nicht über die Evangelikalen berichtet oder ein Überblick über diese Szene gegeben, sondern die Evangelikalen werden auf eine Opposition reduzuiert und für gänzlich andere Ziele instrumentalisiert. Damit tritt Frau Stange als Missionarin für ihre eigene Überzeugung auf, und in dieser Rolle gilt es eine ebenfalls missionarische Menschengruppe zu bekämpfen, deren Glaubensgrundsätze diese Überzeugung unter Umständen hinterfragen könnten. Ich habe kein Problem damit, dass Frau Stange ihre Position zu vielen weltanschaulichen Themen hat. Aber ich ich halte es für bedenklich, wie die Autorin ihre Position vertritt. Frau Stange hat durchaus das Recht, für ihre Ziele und Position einzutreten. Ich würde sogar so weit gehen, und ihr eingestehen, dass sie ihre eigene Position für wahr und richtig halten darf. Aber ich würde selbiges auch den evangelikalen Christen zugestehen - so wie Lessing in der Ringparabel mit "So glaube jeder sicher seinen Ring den echten" den Menschen eingesteht, ihre Religion für die wahre zu halten. Wir können Absolutheitsansprüche nicht einfach verteufeln, solange es nicht unsere eigenen sind! Aber der praktische Umgang ist wichtig: "Es eifre jeder seiner unbestochnen von Vorurteilen freien Liebe nach!" heißt es weiter. Der Artikel zeigt, dass es auch Evangelikale gibt, die dies nicht tun. Aber sieht es auf der Gegenseite wirklich besser aus? Ich denke nicht, dass hier die evangelikale Szene erkundet wurde, in dem einer von Vorurteilen freien Liebe nachgeeifert wurde...
Wir dürfen nicht vergessen, dass die evangelikalen Menschen auch viel Gutes tun, dass wir durchaus fromme Leute haben, welche eben praktisch der Maxime der Nächstenliebe folgen und bei denen dieses Gebot Jesu höher steht als Paulus Ausführungen über Homosexualität im Römerbrief (welche überdies auch innerhalb evangelikaler Kreise unterschiedliche eingeschätzt werden können). Und ich kann auch aus eigener Erfahrung sagen, dass ich im Rahmen ökumenischer Arbeit viele Christen aus dem evangelikalen Umfeld kennengelernt habe, die herzliche und liebe Menschen sind und aus deren Mund niemals "Hasstiraden" kommen würden. Vermutlich weichen meine Erfahrungen von denen ab, die Frau Stange gemacht hat. Die Frage ist aber auch, wonach man sucht und inweiweit man sich auf diese Menschengruppe ernsthaft einlässt.

Ich bin Evangelikaler und das ist gut so.
Man darf mich gern dafür kritisieren, sollte dabei aber bei der Wahrheit bleiben. Wenn Frau Stange behauptet, dass ein christlich-fundamentalistischer Glaube nicht zwischen religiöser Gewissheit und staatsbürgerlichen Freiheiten unterscheidet (Seite 9), dann ist Ihr Zeugnis nicht wahr. Und wenn Sie darüber hinaus behauptet (ebenfalls Seite 9), dass Christen (wörtlich Evangelikale) sich verpflichtet sehen, Nichtgläubige zum Christentum zu bekehren, dann ist das nur noch eine Lüge.
Ja, es ist richtig, dass ich glaube, dass der christliche Glaube der einzig vom ewigen Tod rettende Glauben ist. Ist das für Sie ein Problem?("Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater, gemeint ist Gott, denn durch mich." Zitat Jesus). Das ist sehr eindeutig. Demnach gibt es keinen 2. Weg. Jesus, der Sohn Gottes, höchst persönlich behauptet das und genau deshalb ist das meine "religiöse Gewissheit", um es mit den Worten von Frau Stange zu sagen. Aber das bedeutet doch nicht, dass ich deshalb irgendjemanden diesen Glauben überhelfen will, oder ihn gar in seiner staatsbürgerlichen Freiheit einschränken will. Warum auch? Vor allem: Wie kommt Frau Stange darauf? Weder mein Glaube, noch der Unglaube eines Anderen ändern etwas an dieser Tatsache des Glaubens. Woran macht Frau Stange diese Aussagen fest? Hier werden doch bewusst Unwahrheiten gestreut, um das christliche Fundament zu radikalisieren, und es dann in einem nächsten Schritt zu verbieten. Da werden für mich diktatorische Züge sichtbar. Zuerst die Lüge und dann die Gewalt. Das war so bei Hitler, später bei den Kommunisten und nun.........?

Wenn Jesus zu seinen Leuten sagt: "Ihr werdet meine Zeugen sein.", dann ist klar umrissen welche Aufgabe wir als Christen und Evangelikale haben. Nämlich Zeugen zu sein. Ein Zeuge redet hauptsächlich dann, wenn er gefragt wird. Er muss niemanden überreden, sondern gibt lediglich Hilfestellung bei der Wahrheitsfindung des Fragenden. Und dann redet er zumeist wonach er gefragt wird. Das schließt das Evangelisieren nicht aus, in der Form, dass man sich auch zu Dingen äußert, nach denen man nicht direkt gefragt wird, aber die man anbringt, weil man sie für wichtig hält. Es schließt jedoch kategorisch aus, Menschen zum Christentum bekehren zu wollen. Grundsätzlich sollten sich Menschen, dem Zeugnis der Bibel nach, zu Gott und nicht zum Christentum bekehren und zweitens kann kein einziger Mensch einen anderen Menschen zu Gott bekehren. Das kann allein der Heiligen Geistes, mit deren Existenz Frau Stange sicher auch Probleme hat, deren Kommen auf die Erde Sie jedoch wahrscheinlich jedes Jahr zu Pfingsten mit feiert.

Ich könnte hier noch seitenweise in ähnlicher Weise fortfahren.
Aus meiner Sicht ist die Betrachtung der Evangelikalen in Sachsen von wenig Kenntnis und Sachlichkeit geführt. Es ist ein Werk, das dem offiziellen Mainstream huldigt, gerade deshalb jedoch ohne besonderen Wert.

Ich bitte dich vor Gott und vor Christus Jesus, der eines Tages die Lebenden und die Toten richten wird, wenn er erscheinen wird,
um sein Reich aufzurichten:
Verkünde das Wort Gottes. Halte durch, ob die Zeit günstig ist oder nicht. In aller Geduld und mit guter Lehre sollst du die Menschen zurechtweisen, tadeln und ermutigen!
Denn es kommt eine Zeit, in der die Menschen nicht mehr auf die gesunde Lehre hören werden. Sie werden sich von ihren eigenen Wünschen leiten lassen und immer wieder nach Lehrern Ausschau halten, die ihnen sagen, was sie gern hören wollen.
Die Wahrheit werden sie ablehnen und stattdessen seltsamen Fabeln folgen. (2.Timotheus 4,1-4)

Die Grünen in Sachsen haben offenbar beschlossen, das Jagtrecht zu erweitern um Gefahren für ihr grünes Ideologie-Sumpf-Biotop abzuwehren: Ab sofort dürfen auch Christen abgeschossen werden.

Ich beziehe mich auf Ihre Einleitung, nicht auf den Bericht: Was berechtigt Sie, Evangelikale mit Fundamentalismus zu kombinieren. Würde es Ihnen gefallen, wenn andere Publizisten Grüne mit Pädophilie kombinieren würden und die Gefahren der Pädophilie für die Gesellschaft aus der grünen Ecke thematisieren würden?
Evangelikale engagieren sich in der Hilfe für den Mitmenschen - tausendfach erfahrbar im Bibelgürtel (übrigens danke für das schöne Wort). Ich bin in meinem Umfeld z.B. noch nicht auf einen grünen Pflegedienst gestoßen, wohl aber auf jede Menge christliche. Wo packen Sie mit an?

Liebe Frau Stange,

ich danke Ihnen für Ihren aufschlussreichen Essay. Wie gut, dass sich endlich jemand getraut hat, die Wahrheit zu sagen, vor allem über das unsägliche Evangelisationsteam und seine menschenverachtende Theologie und Rhetorik. Liberales, oder sagen wir besser pluralistisches Christentum, hat leider keine Chance, wo nur eine Meinung und eine bestimmte Frömmigkeit als richtig angesehen wird. Ich bin als liberaler Christ ja gern bereit, Evangelikale zu dulden. Hier stehen wir allerdings vor dem immer wieder kehrenden Dilemma, wenn pluralistische Positionen auf intolerante Positionen stoßen.

Evangelikale in Sachsen von Jennifer Stange
Sorry, auch ich gehöre zu dieser Truppe und das schon seit tiefsten DDR-Zeiten. Schon damals wurden wir beschimpft und diskriminiert, weil unsere Kinder weder in die Jungen Pioniere noch in die FDJ gingen und auch keine sozial. Jugendweihe mitmachten, und heute geht es weiter, Gratulation!!! Die liebe Frau Stange hätte sich erst einmal in der Bibel kundig machen müssen, vielleicht würde sie dann diese "Außenseiter" etwas besser verstehen. Christen sollen nun mal zum Glauben an GOTT der Bibel einladen, dabei kann sich aber jeder in unserem Land frei entscheiden. Und die ev. Kirchen sind eigentlich auch dazu verpflichtet, dass ist ihr Auftrag. All Parteien werben doch vor den Wahlen auch mit ihren Programmen, nur dass nach den Wahlen die Versprechen meist so nicht zu halten sind, das nennt man Volksverdummung. Die Bibel unterbreitet allen Menschen ein vernünftiges Angebot,damit das Leben gelingt, dazu müsste man sie aber lesen! Manches aus der Bibel kann man natürlich heute nicht 1:1 umsetzen, weil etliche Anweisungen speziell für die damalige Zeit verfasst waren, aber die Aussagen zu Ehe und Familie z.B. und zum Zusammenleben der Menschen sind nun mal zeitlos und sehr sinnvoll. Das die Welt heute so ist, wie sie ist, liegt schon daran, dass man die Hinweise der Bibel weltweit missachtet. Und das die Evangelikalen zu den alten patriarchalischen Familienverhältnissen zurück wollen, ist totaler Quatsch!!! Nirgends wird das Zusammenleben von Mann und Frau mehr wertgeschätzt als speziell im Neuen Testament. Die Emanzipation hat nicht eine geldgierige Alice Schwarzer erfunden, sondern Jesus Christus. Alles klar? Noch Fragen?
Glück auf!

Fundamentalismus gegen Vielfalt - das ist ein schwieriges Gegenüber. Ersteres ist ein Kampfbegriff, der von Frau Stange insgesamt derart inflationär verwendet wird, dass man ihr Anliegen kaum mehr ernst nehmen kann. Wohin sie evangelikales Christentum letztlich drängen will, macht die Überschrift "Appeasementpolitik - die Rolle der Landeskirche" deutlich (S. 32). Hoffentlich hat Frau Stange für diese Wortwahl wenigstens eine kritische Anmerkung seitens der Böll-Stiftung bekommen. Der Begriff hat seinen Ort in der Geschichte und charakterisiert das Gegenüber eindeutig, S. 35 wird dies ja dann auch recht offen getan. Da wäre ich an der Stelle einer den Grünen nahestehenden Parteistiftung auch recht vorsichtig: Strukturelle Ähnlichkeiten mit den Nazis wie die von Frau Stange auf S. 35 behaupteten gibt es - wenn man das so streng sieht wie sie - auch innerhalb des linken Lagers genug - und die Grünen haben sich verschiedentlich schon mit ihnen eingelassen. Ich bin in einem Land groß geworden, wo nach den Rassenidieologien der Nazis die Klassenideologien der SED kam - und die Grünen haben sich schon 1994 von ihnen im Osten tolerieren lassen - gemeinsam mit den Sozialdemokraten in Sachsen Anhalt. Schon vergessen? Leichtfertigkeit gegenüber Fundamentalisten - das gibt es auch woanders.
Aber nochmals: Vielfältige Demokratie lebt davon, dass es viele Leute mit festen Fundamenten gibt. Sonst gibt es keine Vielfalt. Dass Vielfalt aus Auseinandersetzung bedeutet, liegt in der Natur der Sache - es sei denn, man strebt eine "Einheits-Vielfalt" an, in der die Vielfalt zum Dogma erhoben wird und sich damit selbst abschafft. Denken Sie mal drüber nach. Seriöse Diskussion sieht anders aus. Zum "Weiterdenken" ermuntern Sie mich nicht.

Liebe Frau Stange
wenn ich Abtreibungen nicht beführworte, hat das seinen Grund in der Bibel. Dort stehen die 10 Gebote und eines heißt: Du sollst nicht töten. Was ist daran ein rechts Argumentationsmuster? Wieso ist Leben befürworten links oder rechts? So verquer zu denken, fällt mir schwer. Was den Islam angeht, so hat mein Verhältnis zu ihm auch etwas mit den 10 Geboten zu tun. Nämlich mit dem ersten: Du sollst Gott lieben und keine anderen Götter haben neben Dir. Also ist der Gott Israels und der Bibel meine erste und größte Liebe. Den Grund dafür liefert er selber. Er hat mich - und auch Sie - von Schuld und Tod freigekauft durch das stellvertretende Sterben Jesu Christi. Wenn ich nicht nach Möglichkeiten suchen würde, diese schöne Nachricht weiter zu sagen, wäre ich kein Christ. Das bringt mich und jeden Christen naturgemäß in Spannungen mit jeder anderen Religion. Auch mit dem Islam. Und auch mit Atheisten. Doch bis jetzt konnte ich mit jedem gut zusammenleben, auch wenn wir nicht einer Meinung waren. Ist da irgendwo ein rechtes Argumentationsmuster? Wenn ich die täglichen Nachrichten warnehme, ist der Islam weit von solcher Toleranz entfernt. Gewalt geht allzuoft vom Islam aus, auch wenn ich die einzelnen Strömungen differenziert betrachte. Gewalt gegen Andersdenkende, Frauen, religiöse Minderheiten. Ersparen Sie mir, Einzelheiten aufzuzählen. Ich hätte lange zu schreiben. Der Islam stellt sich mir als ein System des Hasses und der Unterdrückung dar. Dazu muss ich nur die Augen und Ohren öffnen. Wie könnte ich da grundsätzlich tolerant sein? Ist das etwa ein rechtes Argumentationsmuster? Auf Ihre Antwort bin ich gespannt.

So lange sich Evangelikale an unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung halten, so wie wir das ja alle tun, ist doch nichts gegen diese Gruppierungen einzuwenden.

Im Falle der von der Brüdergemeinde Korntal betriebenen Kinderheime scheint das nicht so ganz gelungen zu sein. Die Homepage der Heimopfer Korntal gibt Auskunft. Ebenso wie etliche Zeitungsartikel.

Diese badenwürtembergischen Brüder - die Schwestern dort sind natürlich zu sittsam, um öffentlich Verantwortung zu übernehmen - könnten dringend Hilfe aus Sachsen gebrauchen. Sie haben ernsthafte Schwierigkeiten beim Einhalten der 10 Gebote.

Mit Geld dagegen scheinen sie gut umgehen zu können. Angeblich gehört ihnen schon 80 Prozent der Gemeinde.

Ach ja: die Korntaler Brüder stehen einem hohen politischen Funktionär sehr nahe und der Landesbischof geht sie gern besuchen, um bei ihnen zu predigen.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

Es mag sein, dass das Essay nicht grundsätzlich versucht, das Christentum schlecht zu reden. Ich hab verstanden, dass es der Autorin hier um eine kleine, extremere Strömung innerhalb des Christentums geht.

Allerdings möchte ich zu bedenken geben, dass durch solche Berichte trotzdem Vorurteile gegenüber Christen geschürt werden. Ein einfacher Vergleich: Berichte, die negativ über Islamisten berichten, wollen nicht den Islam an sich kritisieren, führen aber trotzdem dazu, dass sich Vorurteile verhärten und es für die Angehörigen einer Glaubensrichtung (ob Christ oder Muslim) schwieriger wird, die eigene Religion offen und frei zu leben. Wozu das im Extremfall führt, zeigen die letzten Wochen auf den Straßen Dresdens.

Ich hoffe, dass sich die Heinrich Böll Stiftung Ihrer Verantwortung dahingehend bewusst ist.

Nicht zu vergessen die Josua Gemeinde in Bautzen. Die vergiftet schon unsere kleinen schutzlosen Kinder mit ihren kranken fundamentalistischen Gedankengut.

Ich muss mich - entgegen aller die behaupten die Heinrich Böll Stiftung würde einen Kampf gegen die Kirche führen - bei Frau Stange für ihre Aufklärungsarbeit bedanken. Warum?
Erst durch diesen Artikel bzw. der Liste der Kirchgemeinden, welche die "Markersbacher Erklärung" unterstützten habe ich meinen Verdacht bestätigt bekommen: Meine eigene Kirchgemeinde sieht mein Leben als Sünde an, denn ich bin schwul.
Schon lange habe ich immer kritischer zunehmend radikalere und fundamentalistische Tendenzen innerhalb der Gemeinde bemerkt und konnte nach einiger Recherche letztendlich hier schwarz auf weiß lesen, dass sich der Kirchenvorstand meiner Gemeinde, der mit der letzten KV-Wahl fast unverändert bestehen bleibt, nicht mehr den wichtigsten Grundprinzipien der Kirche verpflichtet fühlt: der Toleranz und Nächstenliebe.
Auch die Behauptung einiger Kommentatoren, es handele sich um nur Splittergruppen in der EVLKS, ist mehr Beruhigung des eigenen schlechten Gewissens. Wenn sich selbst die EKD nicht dazu durchringen kann, derart fundamentale Positionen öffentlich zurückzuweisen, wie sich im Beitrag des NDR-Magazins Panorama - Die Reporter vom 7.04.2015 zeigt, bleiben keine weiteren Fragen, wes Geistes Kind die Kirchenleitung heute ist. Es wird die Einheit der Kirche über die theologischen Grundwerte gestellt.
Ich sehe ich für mich daher keinerlei Grund weiter Kirchenmitglied in der Landeskirche zu bleiben.

Nochmal großen Dank an die Heinrich Böll Stiftung und Frau Stange für diese Arbeit, denn solche fundamentalen Tendenzen gehören klar aufgezeigt und vor allem kritisiert.

Sehr guter Beitrag.

Im privaten Umfeld sehe ich leider auch immer mehr schlechte Einflüsse der Evangelikalen.

Leider ist auch mein schönes Bautzen davon betroffen siehe: "Kampf des Christen"
http://www.josua-gemeinde-bautzen.de/Publikationen/Thema8.pdf

Da werden auch "Mord, besondere Brutalitäten,
Abtreibung, Unzucht, Hurerei..." mit praktizierte Homosexualität auf eine Stufe gestellt. Traurig.

Besonders erschreckend ist bei einigen der Kommentatoren, dass sie mit Sicherheit auch gegen "den bösen Islam" demonstrieren, aber es für wünschenswert halten die Bibel wörtlich auszulegen. Frauenverachtung, Antisemitismus & Mord an Andersdenkenden findet sich da nämlich mindestens genauso... Irgendwie dachte ich das haben wir seit 500 Jahren hinter uns.
Wenn man Religion als Bereicherung für sein Leben ansieht, ist das sehr schön. Aber eben nur, so lange Andersdenkende nicht diskrimiert werden & ihnen die eigene Meinung aufgezwungen wird.
Evangelikale kann man als aufgeklärter Mensch der gedanklich schon weiter als im 18. Jhd. ist, nur ablehnen...

Und an diejenigen, die Abtreibung ablehnen, weil "Du sollst nicht töten" in der Bibel steht - da steht dummerweise aber auch sowas: (5. Mose 5-7): "So sollst du den Mann oder die Frau, die eine solche Übeltat begangen haben, hinausführen zu deinem Tor und sollst sie zu Tode steinigen.

Aber solche Diskussion würden wir nicht mehr führen, wenn man Rationalität als Basis der Argumentation voraussetzen könnte...

Jennifer Stange schreibt u.a. bei Jungle World, Neues Deutschland, Vice, beim VSA-Verlag und und und..., was auf ein aggressiv-linksradikales Weltbild hindeutet. Sie meint ja auch, daß wir gerne unsere Auffassung vertreten dürfen, aber man sollte es „nicht zulassen, daß von ihren Kanzeln eine Sichtweise gepredigt wird, die zwischen Himmel und Hölle keinen neutralen Raum läßt" - sprich: Öffentliches Rede- und Zeugnis-Verbot für Evangelikale. Sind wir schon bei Stalin angekommen?

Sehr geehrter Bülent Bülök,
ach, ach, so verkürzt zitiert? Haben Sie es auch so verkürzt verstanden oder wollen Sie das so? Frau Stange findet es seitens die Landeskirche in dem Kapitel auf: "unredlich, einen Glaubensanspruch auf Kosten Dritter, Andersgläubiger, Ungläubiger und Minderheiten unwidersprochen zu lassen" und dann eben auch: "Aus demselben Grund sollte sie nicht zulassen, dass von ihren Kanzeln eine Sichtweise gepredigt wird, die zwischen Himmel und Hölle keinen neutralen Raum lässt und jegliche Ambivalenz, die den Ereignissen der Welt gewöhnlich anhaftet, zugunsten eines Für Gott oder Gegen Gott tilgt." Sie fordert also ein, dass mehr Sichtweisen in die Diskussionen einfließen sollen - das ist nicht ganz genau dasselbe wie "Stalin". Aber das hätten Sie vielleicht gern - Märtyrer macht sich besser, oder?
Und der VSA-Verlag ist ein Beweis für „ein aggressiv-linksradikales Weltbild“? Ach Gottchen.
Freundliche Grüße
Stefan Schönfelder

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