Eine Bildungsreise nach Barcelona in Zeiten von Corona?

Coronaausbreitung (Europa, Afrika, Nord- und Mittelamerika), grafische Darstellung

"Die Metropolen unserer Tage sind Brenngläser globaler Problemlagen und Entwicklungstendenzen. Hier zeigen sich Umbrüche in der Wirtschaft, wird Industrieleerstand kreativ umgewidmet, müssen Lösungen für Migration gefunden werden, wirkt Luftverschmutzung besonders belastend."

So beginnt der Text, der für die Bildungsreise nach Barcelona im September 2020 wirbt auf unserer Homepage. Diese ersten Sätze haben in den letzten Wochen und Tagen eine erschreckende Aktualität erhalten.

Neben Madrid gehört Barcelona zu den Städten, die besonders von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen sind. Die Intensivstationen sind überfüllt, Not-Zelte sollen eine zusätzliche Kapazität schaffen, die Zahl der Toten steigt weiterhin, das Messegelände stellt Räumlichkeiten für Obdachlose zur Verfügung - Barcelona gleicht einer Geisterstadt. Die Menschen sind seit 14 Tagen mit einer Ausgangssperre belegt, von der niemand weiss, ob sie nach den Ostertagen gelockert werden kann. In den vergangenen zwei Wochen wurden 1,4 Millionen Arbeitsplätze zerstört, in einem Land, dass nur ganz langsam wieder angefangen hatte, sich von der Krise aus dem Jahr 2008 zu erholen.

Die Nachrichten aus Spanien, aus Barcelona und Madrid sind erdrückend.  Jahrelange Einsparungen im Gesundheits- und Sozialen Sektor zeigen sich jetzt in ihren Konsequenzen. Die mediterrane Lebensweise, der soziale Kontakt, die Treffen in der Öffentlichkeit, all das steht unter Quarantäne. Die sozialen, psychischen und ökonomischen Auswirkungen sind noch lange nicht abzusehen.
Da ist es frustrierend für die Menschen, wenn die Diskussion um wirtschaftliche Hilfen wie Euro-Bonds durch europäische Länder im Norden blockiert werden. Dieser Virus geht uns alle an, europäische Solidarität ist gefragt, wenn es Europa auch weiterhin noch geben soll.

Genau dies ist auch der Grund, warum wir zu diesem Zeitpunkt die geplante Bildungsreise noch nicht absagen wollen. Was Spanien, was Barcelona im Moment braucht, sind Zeichen der Solidarität, Perspektiven, ein Blick nach vorn.

Ob es möglich sein wird, im September diesen Jahres eine Bildungsreise nach Barcelona durchzuführen, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch unklar. Wir werden aber spätestens Ende Mai entscheiden, ob sie stattfinden kann, oder ob wir sie zu einem späteren Zeitpunkt machen.
Es gab bereits ein konkretes Programm, Absprachen über konkrete Termine, all dies ist jetzt hinfällig.

Egal ob die Fahrt im September 2020 oder erst später stattfinden wird, wir werden das Programm anpassen, aktuelle Themen mit integrieren. Wir werden in Zukunft den gemeinsamen Austausch brauchen, um an Auswegen aus dieser gesellschaftlichen Krise zu arbeiten. Daher hoffen wir, dass sich möglichst viele Menschen für diese Bildungsreise interessieren und sich entscheiden mitzufahren, wenn es möglich sein wird, sie durchzuführen.

Vieles wird sich ändern in einer Nach-Corona-Zeit. Doch wir haben es in der Hand, ob unsere Welt nach dem Virus solidarischer, gerechter, nachhaltiger und sozialer wird.

Susanne Rieger

(Susanne Rieger lebt seit 16 Jahren in El Prat, im Metropolenbereich Barcelonas, ist mit einem Katalanen verheiratet, arbeitet als Coach und Supervisorin mit katalanischen, deutschen Firmen und im sozialen Sektor und kennt die katalanischen, spanischen und europäischen Realitäten sehr gut. Sie wird unsere Bildungsreise als Reiseleiterin begleiten.)

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