Sachsen rechts unten 2023

Studie

Klimawandel, Umweltschutz, Natur und Landwirtschaft sind ein verbindendes Thema neu-rechter und rechtspopulistischer Parteien sowie neonazistischer Gruppen.

Lesedauer: 3 Minuten
Der Text Sachsen rechts unten auf einem Foto von fauligen Äpfeln, die auf der Wiese liegen

Das Kulturbüro Sachsen e.V. hat heute die neunte Ausgabe der Jahrespublikation „Sachsen rechts unten“ vorgestellt. Seit 2014 legen sie mit dieser Publikation jährlich eine Analyse über die qualitative Verfasstheit der extremen Rechten in Sachsen vor. Aus zivilgesellschaftlicher Perspektive richtet das Kulturbüro den Blick auf aktuelle Demokratiegefährdungen unter gezielten Fragestellungen.

In dieser Ausgabe stehen Umwelt- und Klimaschutz, Natur und Landwirtschaft als verbindendes Thema neu-rechter und rechtspopulistischer Parteien sowie neonazistischer Gruppen im Fokus.

Mit einer historischen Perspektive, beginnend im 19. Jahrhundert bis hin zu aktuellen Beispielen, zeichnen wir die antidemokratischen Ziele, Methoden und Strategien nach, die Rechtsextreme in Sachsen mit der Auseinandersetzung mit Klima- und Umweltschutzfragen verfolgen.

Spätestens mit dem Start des neu-rechten Dresdner Magazins Die Kehre – Zeitschrift für Naturschutz im Mai 2020 wurde besiegelt: Auch die extreme Rechte muss sich den Debatten über Klimaschutz und Klimawandel stellen. Von einem bis dahin geführten Abwehrkampf ist der Start des neu-rechten Umweltmagazins als Ausdruck einer Neuformierung zu sehen. Das eigene ideologische Selbstverständnis innerhalb der extremen Rechten soll mit ökologischen Fragen verbunden werden. Auch in Sachsen.

Hannah Eitel von Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen sagt zu der Veröffentlichung: „Jeder Ort kann politisch sein, der Verein, die Landwirtschaft, die Nachbarschaft. Viele Landwirtinnen, und Anwohnerinnen im ländlichen Raum wollen demokratisch arbeiten und leben. Dafür müssen sie um extrem rechte Strukturen wissen, damit sie sich positionieren und entsprechend handeln können. Dafür Orientierung zu bieten ist unsere Aufgabe in der politischen Bildung. Für uns als Heinrich-Böll-Stiftung gehören sozial-ökologischer Wandel und Klimagerechtigkeit mit Demokratie zusammen; deswegen freuen wir uns über die Zusammenarbeit mit dem Kulturbüro Sachsen zu diesem wichtigen Thema.“

In acht Beiträgen beschäftigt sich die Publikation mit unterschiedlichen Phänomenen, anhand derer sich die Instrumentalisierung des Klimadiskurses durch die extreme Rechte manifestiert. So haben wir rechte Diskurse zum Klimaschutz beleuchtet, die sich zwischen den Polen Ökofaschismus und Anti-Ökologismus bewegen. Wir sind der Frage nachgegangen, warum rechte Parteien um die Gunst der Landwirtinnen kämpfen und mit welchen Themen sie Anknüpfungspunkte schaffen. Und wir haben unter anderem die Anastasia-Szene in Sachsen in den Blick genommen, um nachzuvollziehen, warum sie eine Scharnierfunktion zwischen Ökologie, Esoterik, Reichsbürger-Ideologie bis hin zur extremen Rechten einnimmt.

Die Publikation „Sachsen rechts unten 2023“ ist in Kooperation mit Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und der Amadeu Antonio Stiftung entstanden.

Zur Veranstaltungsreihe "Sachsen rechts unten"