Der Wald: Verlierer und Helfer in der Klimakrise

Von einem ehemals dichten Fichtenwald sind nur noch wenige geschädigte Bäume erhalten (Sächsische Schweiz).

Extreme Trockenheit und Hitze im Sommer, das Ausbleiben von Niederschlägen im Winter und Frühjahr: die Klimakrise setzt unseren Wäldern enorm zu. Dürre hat mittlerweile nicht nur die oberen Bodenschichten erfasst, sondern auch die tieferen. Mittlerweile ist nicht nur die flach wurzelnde Fichte betroffen, deren Wurzeln das in tiefere Bodenschichten absinkende Wasser immer schwerer erreichen. Auch Laubbäume wie etwa Buche und Eiche zeigen erhebliche Schäden: Ihr Wachstum verlangsamt sich, Baumkronen werden lichter, Blätter und Früchte werden vorzeitig abgeworfen.
Es wird angenommen, dass in Deutschland eine Waldfläche von etwa 2,85 Millionen Hektar durch Trockenheit und Dürre erheblich gefährdet ist (Waldbericht 2021). Das sind 25 Prozent des gesamten Waldflächenanteils. 277.000 Hektar Wald (Stand: 31.12.2020) müssen erneuert werden, da hier Bäume großflächig abgestorben sind. Der Grund: Monokulturen - also etwa Reinbestände von Fichten - sind nicht (mehr) für die Standorte geeignet, wo sie angepflanzt worden sind, Dürre und Hitze. Aber auch Stickstoffverbindungen etwa aus Emissionen von Verkehr und Industrie sowie der Landwirtschaft (1) versauern die Böden und schwächen unsere Wälder.

Ein geschwächter Wald ist nicht nur anfälliger gegenüber Schädlingen und Krankheiten und zeigt weniger Widerstand bei Stürmen. Er trägt auch nur noch eingeschränkt zum Erhalt der biologischen Vielfalt, zur Kühlung und Verbesserung der Luftqualität sowie als wichtiger Bestandteil des Wasserkreislaufs und Klimaschutzes bei.

 

Wälder sind aber nicht nur von der Klimakrise gezeichnet. Naturnahe Wälder können Folgen des Klimawandels auch abfedern. Nicht nur der Schatten im Wald, auch die hohe Verdunstung wirken als natürliche Klimaanlage. Ein Wald mit dichtem Kronendach kann im Sommer Temperaturen um bis zu 20 Prozent senken (2).

Laubmischwald wirkt sich positiv auf den regionalen Wasserhaushalt aus, denn hier kann mehr Wasser versickern als in reinen Nadelkulturen. Neben dem Wald selbst profitieren davon auch Gewässer und Moore im oder am Wald.

Wälder können den Weg in die Klimakrise verlangsamen, denn sie sind wichtige Kohlenstoffsenken. Unsere Pflanzen und Böden des Waldes entlasten die Atmosphäre jährlich um 62 Millionen Tonnen CO2 (3). Jungbäume spielen bei der Speicherung relevanter Mengen von Kohlenstoff noch keine Rolle, erst Bäume im mittleren bzw. fortgeschrittenen Alter. Daher muss es gelingen, Bäume in diesen Altersgruppen zu erhalten. Ziel sollte daher sein, mindestens 10 Prozent der Wälder als Naturwälder sich weitestgehend selbst zu überlassen.

Eine vergrößerte Waldfläche könnte zu mehr Regen führen (4) und damit Dürren verhindern bzw. abmildern.

Der ambitionierte Ausbau naturnaher Wälder ist also unerlässlich für Klimaschutz, Klimaanpassung und die Stabilisierung des Wasserhaushalts in der Klimakrise. Dabei ist zu beachten, dass eine Wiederbewaldung großer geschädigter Flächen deutlich schwieriger ist als ein allmählicher Umbau im Bestand. Ohne den Schutz älterer Bäume sind Jungbäume Hitze und Dürre in besonderem Maß ausgeliefert und schaffen es oft nicht anzuwachsen.