Revolutionäre Zeiten - Von der „Friedlichen Revolution“ zu den Protesten in der arabischen Welt

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Mit den Revolutionen 1989 läuteten verschiedene Autor_innen das Ende des Zeitalters der Revolutionen ein. Für sie veränderte sich die Welt nach 1989 so grundlegend, dass sie die Möglichkeit von neuen Revolutionen ausschlossen. Allerdings leben wir heute augenscheinlich in einer Zeit, in der schwerlich vom Verschwinden der Revolutionen gesprochen werden kann. Allein die Ereignisse in der arabischen Welt zeigen, dass es weder an Gründen für Revolutionen mangelt, noch dass in den Gesellschaften Empörung und Protestbereitschaft verschwunden sind.
Die Tagungsbeiträge debattieren vergangene, aktuelle und zukünftige „revolutionäre Zeiten“ im Kontext politischer Theorien: Die Vorträge setzten sich mit grundsätzlichen Überlegungen zum Revolutionsbegriff auseinander und diskutieren in diesem Rahmen die Ereignisse von 1989 und in der arabischen Welt. Die hier präsentierten Projektarbeiten sind im Seminar „Revolutionstheorien“ am Lehrstuhl für Politische Theorie und Ideengeschichte der TU Dresden und an der Universität Leizig unter der Leitung von Dr. Julia Schulze Wessel entstanden.

Als Gastrednerin diskutierte die Journalistin und Sozialwissenschaftlerin Hannah Wettig journalistische und theoretische Perspektiven auf das Thema "Revolutionäre Zeiten in der arabischen Welt".

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Linda Witte und Philipp Tönjes, TU Dresden: Warum brechen Revolutionen aus?
Warum löste der tunesische Gemüsehändler Mohamed Bouazizi durch seine Selbstverbrennung eine Revolution in Tunesien aus, obwohl sich vor ihm andere aus den gleichen Gründen verbrannten wie er? Diese Beobachtung ist Anlass für die Auseinandersetzung mit der Frage: Was sind Kennzeichen einer Situation, die eine Revolution in Gang setzen kann? Was unterscheidet sie von anderen Situationen, in denen Menschen protestieren? Mit dieser für die Revolutionstheorie grundlegenden Überlegung setzt sich dieser Vortrag auseinander.

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Sarah Ulrich, Universität Leipzig: Nie wieder Revolution! Oder: Welche Zukunft haben Revolutionen?
Wird es nie wieder Revolutionen geben? In einer Auseinandersetzung mit den Revolutionen 1989 stellt der Politikwissenschaftler Robert S. Snyder die These auf, dass das Zeitalter der Revolutionen beendet sei. Der Vortrag diskutiert diese Behauptung kritisch und setzt ihr die These entgegen, dass die neuen sozialen Bewegungen im transnationalen Raum neues revolutionäres Potential in sich bergen und bietet damit eine mögliche Antwort, was revolutionäres Handeln in Zukunft bedeuten kann.

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Maximilian Vogel, Universität Leipzig: Ein neuer Revolutionstypus? Die „Friedliche Revolution“ von 1989
Auch dieser Vortrag stellt die These infrage, dass das Zeitalter der Revolutionen an ein Ende gekommen sei. In einem berühmten Aufsatz hat der Politikprofessor Richard Sakwa die Annahme verteidigt, dass 1989 das Ende einer revolutionären Epoche eingeläutet habe. Der Vortrag verschiebt die Perspektive Sakwas auf die Frage, ob nicht die Ereignisse in Ostdeutschland 1989 weniger als Ende einer Epoche als die Geburtsstunde eines neuen Revolutionstypus verstanden werden können.

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Francesca Barp, TU Dresden: Über die Erinnerung an die „Friedliche Revolution“: Das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin
Nicht die Ereignisse der „Friedlichen Revolution“ 1989, sondern die Erinnerung an sie soll im Zentrum dieses Vortrags stehen. Anhand des Denkmalsdiskurses soll gezeigt werden, wie durch verschiedene geschichtspolitische Akteuer_innen die Vergangenheit interpretiert, kommuniziert und genutzt wird. In dieser Auseinandersetzung werden vor allem die Fragen beleuchtet, welche historischen Ereignisse und moralischen Anforderungen von den Initiator_innen des Freiheits- und Einheitsdenkmals in Berlin vermittelt und was durch den Rückgriff auf die „Friedliche Revolution“ legitimiert werden soll.

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Teresa Marten und Clara-Auguste Süß , TU Dresden: Ägypten – eine Revolution?
Über die besondere Stellung des Militärs im ägyptischen Revolutionsprozess In den Medien wurden die Umbrüche in der arabischen Welt lange Zeit als demokratische Revolutionen bejubelt. In Ägypten gaben vor allem die Ereignisse auf dem Tahrirplatz Hoffnung zu einer demokratischen Umstrukturierung des Landes. In diesem Vortrag soll allerdings anhand der zentralen Stellung des ägyptischen Militärs vor und während des Umbruchsprozesses der These nachgegangen werden, dass von einer Revolution in Ägypten nicht gesprochen werden können.

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