Einmischen erwünscht! Bürgerschaftliche Partizipation in der Euroregion Elbe/Labe

Das sächsisch-böhmische Grenzgebiet ist durch seine eng verwobenen kulturellen und politischen Beziehungen ein besonders spannender gesellschaftlicher Raum. Die zivilgesellschaftlichen Strukturen sind auf beiden Seiten der Region in den letzten 20 Jahren beständig gewachsen. Sie müssen sich aber ebenso grenzüberschreitenden Problemen stellen, die das Engagement der BürgerInnen fordern. Zusammen mit dem Collegium Bohemicum Ústí nad Labem haben wir daher eine Veranstaltungsreihe zu bürgerschaftlicher Partizipation in der Euroregion Elbe/Labe durchgeführt. In vier Veranstaltungen debattierten wir unterschiedliche Beteiligungsformen und gesellschaftspolitische Herausforderungen. So haben wir mit deutschen und tschechischen Teilnehmenden gemeinsam das Thema «rechte Hasskriminalität» in der Region diskutiert, neue Vernetzungsmöglichkeiten des Web 2.0 für junge UmweltschützerInnen ausgelotet, in einem Fachgespräch die Rolle von Stiftungen als Motoren der Zivilgesellschaft untersucht und Modelle partizipativer Haushalte debattiert.

 

 

BürgerInnenhaushalte - neue Formen der demokratischen Mitbestimmung in der Kommune

 

 

Demokratie lebt vom Mitmachen, gerade auf kommunaler und lokaler Ebene. Viele BürgerInnen fühlen sich jedoch machtlos und aus den zentralen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Ein Mittel gerade an der zentralen Stelle »Finanzen« mehr Beteiligung der BürgerInnen zu erreichen, sind die partizipativen Haushalte oder »BürgerInnenhaushalte«. So lässt beispielsweise eine Stadt ihre BürgerInnen darüber entscheiden, wie Teile der frei verwendbaren Haushaltsmittel eingesetzt werden sollen. Die Teilnehmenden informierten sich im Seminar allgemein über Konzepte partizipativer Hauhalte und die konkrete praktische Umsetzung an verschiedenen Beispielen. So konnten sich deutsche und tschechische kommunale EntscheidungsträgerInnen und Interessierte vernetzen und erhielten Impulse für die Einführung bzw. Weiterentwicklung dieser Beteiligungsprojekte.

Mit: Dr. Marco Schrul, Geschäftsführer der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen und Mitbegründer des Bürgerhauhsaltes in Jena und Nils Jonas, Mitarbeiter von Zebralog und www.buergerhaushalte.de 

Aktuelle Studie der Heinrich Böll Stiftungen Thüringen und Sachsen: http://www.weiterdenken.de/web/publikationen-667.html 

 

 

Rechte Hasskriminalität und die Folgen - Initiativen gegen rechtsextreme Strukturen in der Elbe/Labe Euroregion

 

 

Rechtsextreme und völkisch-nationalistische Bewegungen gibt es beidseits der deutsch-tschechischen Grenze, die sich zunehmend auch vernetzen. Rechte Hassgewalt ist ein akutes Problem in der Region und fordert kontinuierlich ihre Opfer. Um diese Strukturen aufzubrechen und einen wirksamen Opferschutz zu gewährleisten, müssen gemeinsame, grenzüberschreitende Kooperationen geknüpft werden. Die Veranstaltung informierte in zwei Vorträgen über Strukturen der deutschen und tschechischen rechten Szenen. Beide ReferentInnen diskutierten mit den Gästen Beispiele für wirksame politische und zivilgesellschaftliche Gegenmaßnahmen.

Mit: Danilo Starosta, Jugendhilfecoach im Kulturbüro Sachsen und Klára Kalibová, Juristin und Leiterin der ersten Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt in Tschechien. Sie ist außerdem Mitautorin der Publikationen »GefährlicheLiebschaften - Rechtsextremismus im kleinen Grenzverkehr« und »Hate Crimes -Vergessene Opfer«

Neuauflage der Publikation «Gefährlichen Liebschaften»: http://www.weiterdenken.de/web/publikationen-812.html

 

 

Green Connections - Web 2.0 und Umweltschutz

 

 

In der Euroregion Elbe/Labe teilen sich Deutschland und Tschechien gemeinsame Naturräume und Ökosysteme und damit auch alle Probleme, die durch Umweltverschmutzungen und Naturverbrauch entstehen. Es gibt aber zahlreiche regionale Umweltinitiativen, die eine große thematische Bandbreite aufweisen und auch grenzübergreifende Projekte durchführen. Neben der praktischen Arbeit in der Natur bietet aber der virtuelle Raum des Web 2.0 viele neue Möglichkeiten, diese Umweltschutzarbeit in der Euroregion zu vernetzen und zu stärken. Facebook, Twitter, Etherpads…- die grünen Bewegungen finden hier ganz neue Wege, um effektiv zusammenzuarbeiten, zu diskutieren, neue MitstreiterInnen zu gewinnen oder schnell Aufmerksamkeit für ein Thema zu finden. Im Workshop wurden die vielfältigen Plattformen und Tools vorgestellt und konkrete Beispiele für den Umweltschutz 2.0 diskutiert. Auf einen fachlichen Input folgten Arbeitsgruppen, in denen die Teilnehmenden die vorgestellten Möglichkeiten an konkreten eigenen Ideen und Projekten ausprobierten.

Unsere Referenten: Jan Keilhauer, Medienpädagoge und -wissenschaftler und Michael Braun, Projektmanager und Experte für Social Media

 

 

Stiftungen als Motor von Zivilgesellschaften?

 

 

Nach den Revolutionen von 1989 und in den darauf folgenden Transformationsjahren wurde der Wiederaufbau der Zivilgesellschaft zu einer wichtigen Prämisse. Stiftungen galten und gelten hierbei als wertvolle AkteurInnen und KooperationspartnerInnen, die über die rein finanzielle Förderung hinaus als Ideenschmieden für eine demokratische Zivilgesellschaft beitragen. In der Euroregion Elbe/Labe  haben sich einige Stiftungen etabliert, deren besonderes Ziel die grenzüberschreitende Kooperationen und ein verstärkter deutsch-tschechischer Austausch ist. Wir haben daher in einem Fachgespräch ExpertInnen zusammengebracht und mit ihnen die zukünftigen Herausforderungen und Chancen der Stiftungsarbeit in der Region diskutiert.

Unsere Referenten: Peter Baumann, Brücke/Most-Stiftung; Tomáš Krejčí, Bürgerstiftung der Euroregion Labe; Winfried Ripp, Bürgerstiftung Dresden