Bildungsreise Serbien/ Bosnien und Herzegowina 2011

 

Nach dem Zerfall Jugoslawiens und den Balkankriegen der 90er Jahre sind auch Serbien und Bosnien und Herzegowina durch einen tiefgreifenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Wandel geprägt. Die Heinrich Böll-Stiftungen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg laden Sie auf eine Bildungsreise ein, die einen Einblick in die gesellschaftlichen Entwicklungen beider Länder - 16 Jahre nach dem Ende des Bosnienkrieges - geben wird. Wir werden die jüngere Geschichte der Länder erkunden, Bosnien als multireligiösen Staat näher kennenlernen und seine (europa-) politischen Perspektiven auf Grundlage des Daytoner Abkommens von 1995. Im Mittelpunkt der Reise wird die Aufarbeitung des Bosnienkrieges stehen, Begegnungen mit Vertretern und Akteuren im Bereich Umweltschutz und Menschenrechte in Bosnien und Herzegowina sowie das Gespräch mit den Vertretungen der Heinrich-Böll Stiftung, der Deutschen Botschaft und Menschen vor Ort. Gemeinsam werden wir ein Stück SüdostEUROPA erleben.

 

 

AKTUELL

Zur Nachbereitung unserer Reise hier noch drei aktuellere Veröffentlichungen.

Ein Beitrag von Wolfgang Klotz, Heinrich-Böll-Stiftung Belgrad
Serbiens Kandidatur
Oktober 2011 zur Kandidatur Serbiens zur EU-Mitgliedschaft,

ein Artikel von Dr. Michael Ehrke von der Friedrich-Ebert-Stiftung in Belgrad
Der Norden des Kosovo – ein gewaltoffener Raum?
August 2011,

und ein Beitrag von Wolfgang Klotz, Heinrich-Böll-Stiftung Belgrad in der Kommune 4/2011
Serbische Vernunft und europäische Vision
Das »Borderline-Syndrom« und die Staatlichkeit in der Beitrittsfrage

 

Samstag, 25.06.2011

Flug nach Belgrad. Fahrt zum Hotel. Nach dem Einchecken Begrüßungscafe, Vorstellung Gruppe und des Programms. Besuch der Heinrich-Böll Stiftung Belgrad. Gemeinsames Abendessen und Gespräch mit ProjektpartnerInnen vor Ort, der uns eine Einführung in die politischen Verhältnisse Serbiens geben wird.

Einführendes Abendgespräch mit Andrej Ivanji- Korrespondent von taz, Der Standart und Journalist bei der serbischen Wochenzeitschrift VREME.

Artikel zur Einführung:
http://www.taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/apokalypse-in-prishtina/
http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/weg-mit-den-dieben-1/

 

Sonntag, 26.06.2011

In einem historischen Stadtrundgang durch Belgrad besichtigen wir die Kalemegdan -Festung, den Platz der Republik, das Nationalmuseum und viele weitere Sehenswürdigkeiten und erhalten einen Einblick in die ereignisreiche Geschichte Serbiens. Abend zur freien Verfügung.

 

Montag, 27.06.2011

Fahrt nach Bosnien–Herzegowina. In Srebrenica besichtigen wir den Gedenkfriedhof Potočari, der den Völkermord an  bosnischen Muslimen während des Bosnien-Krieges dokumentiert. Gespräch mit ProjektpartnerInnen vor Ort zur Aufarbeitung des Bosnienkrieges, Gespräch mit den "Müttern von Srebrenica". Anschließend Weiterfahrt Richtung Sarajevo. Podiumsdiskussion der Heinrich Böll Stiftung: Die UNO und der Völkermord von Srebrenica: Hintergründe eines gebrochenen Versprechens
http://www.boell.de/internationalepolitik/aussensicherheit/aussen-sicherheit-srebrenica-uno-kriegsverbrechen-9772.html
Video, 30 Minuten, Juli 2010

 

Srebrenica – Leben nach dem Völkermord
Phoenix, Dokumentation, Oktober 2010

 

Mittwoch, 29.06.2011

Fahrt nach Sarajevo. In einem historischen Stadtrundgang durch Sarajevo erfahren wir mehr über die bewegte Geschichte der Stadt. Die Besichtigung von Moscheen, Synagogen, serbisch-orthodoxen Kirchen und Kathedralen im Zentrum Sarajevos geben einen Einblick in die Vielfalt der Religionen. Am Nachmittag Begegnung mit ProjektpartnerInnen der Heinrich-Böll Stiftung Sarajevo. Abend zur freien Verfügung.

Gespräch mit dem Helsinki Komitee für Menschenrechte, gemeinsames Projekt: Lage der Menschenrechte im Bereich Umwelt: http://www.boell.ba/web/11-329.html

 

Donnerstag, 30.06.2011

Auf einer geführten Tour wird uns die Belagerung Sarajevos während dem Bosnienkrieg erklärt. Besuch des Tunnels, der während der Belagerung der Stadt zur Versorgung der Einwohner und als Fluchtweg errichtet wurde. Besuch der deutschen Botschaft mit anschließendem Vortrag, der uns die wichtigsten politischen Institutionen seit dem Daytoner Abkommen erklärt. Abendgespräch mit dem Goethe-Institut zum Schulprojekt »Kultur der Religionen«.

Podiumsdiskussion der Heinrich Böll Stiftung:
15 Jahre nach Dayton - neue Perspektiven für Bosnien-Herzegowina?

http://www.boell.de/internationalepolitik/aussensicherheit/aussen-sicherheit-audio-mitschnitt-15-jahre-nach-dayton-10587.html
Audio Datei, 120 Minuten, November 2010

Analyse der Wahlen in Bosnien-Herzegowina 2010 im Auftrag der der Heinrich Böll Stiftung Sarajevo
http://www.boell.ba/web/11-445.html

 

Freitag, 01.07.2011

Tagesausflug an den Fluss Neretva. Begegnung mit dem bosnischen Verein »Grüne Neretva«, der sich für den Schutz der Flusslandschaft einsetzt und in seiner Arbeit auch von der Heinrich-Böll Stiftung in Bosnien und Herzegowina unterstützt wird (http://www.zeleni-neretva.ba/). Abend zur freien Verfügung.

 

Samstag, 02.07.2011

Tagesausflug nach Mostar mit dem Zug. Historischer Stadtrundgang in der Altstadt, die mit ihren beeindruckenden Gebäuden, Kirchen und der berühmten Brücke über die Neretva Teil des UNESCO–Kulturerbes ist. Begegnung mit StudentInnen aus Mostar. Gemeinsames Abendessen mit Abschlussgespräch.

Die Brücke von Mostar: Ein Bogen über dem Abgrund Bosnien-Herzegowina
http://www.youtube.com/watch?v=SfkJEEmmrVE
Dokumentation, „Schätze der Welt“, 15 Minuten

 

Sonntag, 03.07.2011

Nach dem Frühstück ist Zeit für einen Stadtbummel, danach Fahrt mit dem Bus zum Flughafen nach Sarajevo. Rückflug. 

 

Themenschwerpunkt: Menschenrechte

Sarajevo Open Center
englischsprachige website:
http://www.soc.ba/index.php?option=com_content&view=article&id=105&Itemid=89&lang=en

Auf unserer Reise werden wir unter anderem Saša Gavrić, den Geschäftsführer der Nichtregierungsorganisation „Sarajevo Open Center“, treffen. Das Sarajevo Open Center engagiert sich für eine interreligiöse Bildung und speziell für die Weiterbildung von Lehrern mit dem Projekt „Kultur der Religionen“, das in Zusammenarbeit mit dem Goethe Institut, seit 2007 weiterentwickelt wird. Darüber hinaus setzt sich der Verein für die Förderung der Sozialwissenschaften in Bosnien und Herzegowina ein, ebenso wie für die Stärkung der Menschenrechte, was unter anderem anhand des Engagements für das Queer Festival in Sarajevo zu sehen ist.

Queer Festival Sarajevo
englischsprachige website:
http://www.boell.de/weltweit/europanordamerika/europa-nordamerika-lgbt-aktivismus-in-bosnien-herzegowina-10700.html

Bericht zur Podiumsdiskussion in Sarajevo: Wie geht es weiter mit der Queer Bewegung in Bosnien-Herzegowina?, 23.10.2010
Nachdem radikale Gesellschaftsgruppen das Queer Sarajevo Festival 2008 gewaltsam unterbrochen hatten, verschloss sich die Hauptstadt Bosnien-Herzegowinas noch mehr im Hinblick auf den LGBT (Lesbian, Gay, Bisexuelle, Transsexuelle) Aktivismus. Die bis dahin aktive Nichtregierungsorganisation Q stoppte ihre öffentlichen Aktivitäten und beschränkte sie auf wenige nicht-öffentliche Projekte. In den Nachbarländern Bosnien-Herzegowinas hingegen, besonders in Zagreb und Belgrad, nimmt der LGBT-Aktivismus einen positiven Rahmen ein. In solch einem regionalen Rahmen fand auch die erste Veranstaltung unter dem Titel Questioning statt. Den Anstoß für das Programm gaben die deutsche Heinrich-Böll-Stiftung, Landesbüro Bosnien-Herzegowina und die NRO Sarajevo Open Center mit dem Ziel, die Themen der LGBT-Gemeinde auch in Bosnien-Herzegowina aktiv in den Mittelpunkt der gesellschaftlichen Aufmerksamkeit zu stellen. Am 23.10.2010 wurde unter angemessenem Polizeischutz und in Anwesenheit von etwa 110 Gästen die Diskussion unter dem Titel „Wie geht es weiter mit der Queer Bewegung in Bosnien-Herzegowina“ eröffnet.

Zentrum für gewaltfreie Aktion
englischsprachige website:
http://www.nenasilje.org/cna/aboutus_e.html

Das „Centre for Nonviolent Action“ (Centar za Nenasilnu Akciju, CNA) wurde 1997 in Sarajevo gegründet, und organisierte zunächst Trainings in gewaltfreier Konfliktbearbeitung, in denen Menschen aus der Region des ehemaligen Jugoslawien gemeinsame Erfahrungen sammeln und sich für weitere friedenspolitische Arbeit vernetzen können. Zum Team von CNA gehören Frauen und Männer mit unterschiedlicher Herkunft (aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Serbien und Montenegro) und biographischem Hintergrund, darunter Kriegsdienstverweigerer ebenso wie Veteranen. Ihr gemeinsames Anliegen ist es, die Konflikte, die zum Zusammenbruch des ehemaligen Jugoslawien führten und die in den Nachfolgestaaten teilweise weiter existieren, sichtbar zu machen und zu transformieren. CNA hat das Konzept der Gewaltfreiheit („nenasilje“) in den südslawischen Kontext übersetzt und dazu beigetragen, dass es nach und nach in zivilgesellschaftlichen Kreisen auf dem westlichen Balkan Verbreitung gefunden hat. CNA konnte ein grenzüberschreitendes Netzwerk von Friedensaktivisten aufbauen, dem Expertinnen und Multiplikatoren aus dem Bildungssektor, aus NGOs, aus den Medien, sowie Vertreter von Veteranenverbänden und politischen Parteien angehören. Seit 2002 ist CNA auch in Belgrad tätig und konzentriert sich seither auf Aktivitäten, die Menschen in der gesamten Region für einen konstruktiven Umgang mit Vergangenheit sensibilisieren sollen. CNA hat dabei zunehmend Kriegsveteranen aller am Krieg beteiligten Seiten eingebunden. Es wurden öffentliche Diskussionsforen in verschiedenen Städten in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Montenegro durchgeführt, bei denen die ehemaligen Soldaten persönliche Erlebnisse und Erfahrungen im Bosnienkrieg dargelegt und begründet haben, warum sie sich inzwischen für Gewaltprävention einsetzten. Die Foren gaben Raum für die Bearbeitung individueller Kriegserlebnisse und trugen dazu bei, Debatten über die Dynamik des Krieges und seine Folgen und über individuelle Verantwortung, zumindest auf der lokalen Ebene anzuregen. Daneben widmete sich CNA in den vergangenen Jahren verstärkt der Erstellung friedenspädagogischer Materialien, wie z.B. der Produktion von Trainingshandbüchern und publizierte außerdem wichtige Beiträge zur Auswertung von Friedens- und Versöhnungsarbeit im ehemaligen Jugoslawien. Überdies hat das Team mehrere Dokumentarfilme erstellt, die sich dem Umgang mit der Vergangenheit widmen und in denen Menschen ihre jeweilige Rolle und Verantwortung vor, während und nach den Kriegen auf dem westlichen Balkan reflektieren.

 

 Themenschwerpunkt: Aufarbeitung des Krieges

Kommentare zu aktuellen Entwicklungen

http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/ratko-mladic-offenbar-festgenommen/
http://www.taz.de/1/politik/europa/artikel/1/echte-serben-protestieren-fuer-mladic/
http://taz.de/1/politik/europa/artikel/1/ein-tuerspalt-ist-offen/
http://taz.de/1/debatte/kommentar/artikel/1/serbiens-mythos-ist-am-ende/
http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-06/mladic-serbien-anklage
http://www.boell.de/weltweit/europanordamerika/europa-nordamerika-dossier-westlicher-balkan-9583.html

Informationsgespräche (Informativni razgovori), 2008

Der Dokumentarfilm von Namik Kabil zeigt in Form von Gesprächen die Verleugnung des Krieges, welche eine untergründige und bestimmende Dimension des alltäglichen Lebens im heutigen Nachkriegsbosnien ist.

Zentrum für politische Schönheit
http://stubsrama.com/

 

"Wir sind doch Nachbarn"
3sat Dokumentation, 1993.
Der Dokumentarfilm berichtet über eine bosnische Dorfgemeinschaft, die innerhalb eines Jahres in tödlicher Feindschaft auseinander bricht.

 

Es kann nicht ewig dauern
Produktion: Zentrum für gewaltfreie Aktion, CNA Belgrad-Sarajewo, 2004.

Wie ist der Verhältnis zwischen Serben und Bosniaken 10 Jahre nach dem Krieg? Ein Krieg der nach wie vor in Köpfen und Herzen vieler Menschen sehr präsent ist. Wie soll man den Schmerz, Hass, Angst, Misstrauen und Missverständniss überwinden? Kann es zu Versöhnung kommen? Dreiundzwanzig Menschen geben ihre Antworten dazu und stellen ihre Fragen. Darunter viele Flüchtlinge, Menschen die ihre liebsten verloren haben, die im Krieg noch Kinder waren, ehemalige Kämpfer, Gläubige, allesamt Menschen dessen Meinung selten gefragt wird. Obwohl sie sich nie trafen, führen sie einen simulierten Dialog im Versuch nach besserem Verständnis für einander, ein Dialog der sicherlich auch manche verletzen kann.

 

Die Spuren
Produktion: Zentrum für gewaltfreie Aktion, CNA Belgrad-Sarajewo, 2004.

Vier ehemaliger Kämpfer aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien und Serbien und vier Menschen die ihnen in der Kriegszeit nahestanden, sprechen von der Motivation in den Krieg zu ziehen in den Neunzigern und über ihre heutigen Sichtweisen. Ihre Kämpferrollen wurden ersetzt mit Rollen der Antikriegsaktivisten, die sich dem Nationalismus und Hass widersetzen.

 

Alle wollen gern einen Stein werfen
Produktion: Zentrum für gewaltfreie Aktion, CNA Belgrad-Sarajewo, 2006.

Zehn Jahre nach dem Krieg. Serben und Kroaten, einfache Leute; ehemalige Kämpfer, Menschen die ihre liebsten verloren haben, LehrerInnen, Musiker, Flüchtlinge; befragen selbstkritisch die schmerzvollen Fragen aus der gewaltsamen Vergangenheit. Was ist Gerechtigkeit? Versöhnung -- wie? Wer hat Verantwortung und was bedeutet heute verantwortlich zu handeln? „Es stimmt nicht dass die Wunden mit der Zeit von sich alleine heilen wurden", sagt ein Veteran der vier Jahre im Krieg war. Umgang mit der Vergangenheit soll bei sich selbst anfangen und eigener Gesellschaft, es bedeutet auch, dass man am Friedenaufbau arbeitet, damit die Zukunft besser wird.

 

Bosnien: Die Kinder der vergewaltigten Frauen
ARD Weltspiegel, 16.12.2007.

 

Srebrenica – Opfer klagen an
Phoenix, Dokumentation, Oktober 2010