Zunächst wird deutlich, dass die jahrzehntelange Ignoranz gegenüber den Grenzen materieller Ressourcen ganze Branchen in den Strudel von Absatzeinbruch und Innovationsstau stürzen kann. Die Heinrich-Böll-Stiftungen arbeiten mit an einer ökologischen Wende in der Wirtschaft, die nur in einer Interaktion von Politik, Unternehmen, Wissenschaft, Verbrauchern und Öffentlichkeit gelingen kann. Sicher ist: Es braucht bindende politische Zielvorgaben ebenso wie die Innovations- und Investitionskraft der Unternehmen. In der Debatte um Klimawandel und nachhaltige Ressourcennutzung suchen viele Experten suchen nach einem Zusammenspiel von Markt und Politik, statt den Markt als Wurzel allen Übels zu kritisieren.
Gleichzeitig scheint die Finanzkrise das Verhältnis von Politik und Wirtschaft zu verändern. Fachleute und Öffentlichkeit erwarten wieder mehr von Staat und Politik und trauen der Politik auch wieder mehr zu: Die aktuellen Eingriffe reichen im Großen bis zur Verstaatlichung von Banken, aber auch Rückkauf von kommunalem Eigentum zur Rückgewinnung von städtischen Steuerungsinstrumenten ist im Gespräch. Weiterdenken beteiligt sich an diesen Diskussionen und stellen u.a. den Umgang mit Gemeingütern in den Fokus von Veranstaltungen und Veröffentlichungen.
Die politische Auseinandersetzung um Arbeit und Soziales war lange geprägt von der öffentlichen Deklaration vom Ende der Arbeit und vom Ende des Sozialstaats.
Richtig ist wohl, dass sich Formen von Arbeit erheblich ändern und sich deren Schwerpunkt von der industriellen Arbeit hin zu einer wissensbasierten Arbeit verschiebt. Die integrierende Kraft von Arbeit in unserer Gesellschaft bleibt dabei aber erhalten. Somit entstehen neue Aufgaben, Arbeit zu gestalten und gesellschaftlich notwendige Arbeit öffentlich zu organisieren. Richtig ist auch dass der alte Sozialstaat der Bundesrepublik den neuen Herausforderungen nicht gerecht wird. Prekarität, die sich aus diskontinuierlichen Erwerbsverläufen, aus Arbeitslosigkeit, befristeten, ungesicherten oder gering bezahlten Arbeitsverhältnissen ergibt, verliert den Charakter eines Provisoriums und wird für eine wachsende Gruppe von Menschen zum Dauerzustand.
Die Probleme der Bevölkerungsentwicklung überlagern sich mit dem grundlegenden Wandel der Ökonomie und Arbeitswelt hin zu einer Wissensgesellschaft: Allseits eingeforderte Flexibilität, Mobilität und Belastbarkeit eröffnen neue persönliche Chancen und fordern gleichzeitig bisherige Vorstellungen von eigener Lebensplanung und von sozialstaatlichen Aufgaben heraus.
Die Gerechtigkeitsfrage stellt sich neu, oft in ungewohnten Dimensionen - Generationengerechtigkeit, Bildungsgerechtigkeit, Teilhabegerechtigkeit.
Weiterdenken beteiligt sich an den Debatten um Formen von Arbeit, zukunftssichere soziale Absicherungen, die gestalterischen Spielräume von Staat und Kommunen und die Weiterentwicklung der Ideen und Realitäten von Gerechtigkeit.
Dresden: Mi, 27.10.2010, 13:30 bis 17:00 Uhr



