Publikation

Leitbild Schweiz oder Kasachstan?

Perspektiven für Sachsens Landwirtschaft
Denkschrift von Michael Beleites.

Die Schweiz und Kasachstan stehen für absolut gegensätzliche Agrarstrukturen. In der Schweiz dominieren auch heute klein- und mittelbäuerliche Höfe. Das Land ist deswegen nicht rückständig. In Kasachstan hingegen herrschen die aus den sowjetischen Kolchosen und Sowchosen hervorgegangenen Großbetriebe mit Flächenausstattungen von 5.000 bis 40.000 Hektar vor. Die deutsche Agrarstruktur liegt ungefähr in der Mitte zwischen der Schweiz und Kasachstan. Doch dieses Durchschnittsdeutschland existiert nur in der Statistik.
Auf dem Lande gibt es die deutsche Einheit noch nicht: Im Osten beträgt die durchschnittliche Größe landwirtschaftlicher Betriebe mehr als das Fünffache von jener im Westen; die Zahl der Beschäftigten je 100?ha landwirtschaftlicher Nutzfläche liegt in Westdeutschland bei 9,60, in Ostdeutschland bei 2,86. Wegen ihrer Konzentration auf billige Massenprodukte erzielen Großbetriebe subventionsbereinigt eine geringere Nettowertschöpfung je Fläche als kleinere Betriebe. Somit bringt die ostdeutsche Landwirtschaft eine deutlich geringere Wertschöpfung in die ländlichen Räume als die westdeutsche. Die ostdeutsche Sondersituation sei keine „gewachsene Agrarstruktur“, sondern die Folge kommunistischer Systemverbrechen. Die sächsische Nach-Wende-Agrarpolitik knüpfte an das landwirtschaftliche System der DDR an und befestigte – gemeinsam mit der einseitigen BVVG-Bodenpolitik – die agrar-strukturelle Angleichung Sachsens an die „ostelbischen“ Verhältnisse des Nordostens, wobei der DBD-Flügel der CDU besonderes zielstrebig die Lobby-Interessen der LPG-Nachfolger vertritt.

Was uns als eine «Orientierung am Weltmarkt» verkauft werde, sei nur eine Anpassung an die Getreide produzierenden Steppengebiete Asiens und Amerikas. Die Angleichung der ostdeutschen Dörfer und Kulturlandschaften an die dortigen Verhältnisse ist weit fortgeschritten – und sei inzwischen auch der separaten ostdeutschen Agrarpolitik nach 1990 anzulasten.

Michael Beleites verknüpft seine schonungslose Analyse der ostdeutschen Agrarpolitik vor und nach der 89er Revolution mit der Suche nach Visionen für eine zukunftsfähige Landbewirtschaftung. In dem bäuerlichen Erbe Sachsens und Thüringens sieht er eine besondere Chance zur schrittweisen Wiederbelebung sozial und ökologisch verträglicher bäuerlicher Strukturen. Die künftige Agrarpolitik müsse daran gemessen werden, ob sie diese Chance nutze.

Autor

Michael Beleites ist 1964 in Halle geboren und studierter Landwirt. Beleites war ein Mitbegründer der DDR-Umweltbewegung. Von Dezember 2000 bis Dezember 2010 amtierte Michael Beleites als Sächsischer Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen. 

Die Denkschrift erscheint am 18. September 2012 im AbL-Verlag, herausgegeben von Weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen und der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft AbL. 

100 Seiten, 8 Euro
ISBN 978-3-930413-54-6

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Inhalt

Geleitwort von Prof. Dr. Michael Succow   
Geleitwort der Herausgeber   
I.     Worum es geht    
       Analyse und Vision verknüpfen – eine Einführung      
II.    Wo wir stehen   
        Zur aktuellen Situation der ländlichen Räume in Sachsen
        1.     Agrarstrukturen im Ost-West-Vergleich   
        2.     Sachsen im Ost-Ost-Vergleich   
        3.     Anmerkungen zum Sächsischen Agrarbericht 2010   
        4.     Gefährdungen der Allgemeinheit  
        4.1.     Landschaftszerstörung und Artensterben
       4.2.     Agrochemie und Bienensterben
       4.3.     Einseitiger Energiepflanzenanbau und Bodendegradation
       4.4.     Geldbezogene Ausbildung und Trübung des Verantwortungsbewusstseins
       4.5.     Agrarindustrie und Entvölkerung bzw. Radikalisierung der ländlichen Räume   
       4.6.     Bodenspekulation und Demokratieabbau
       4.7.     Billigexporte und Neokolonialismus
       5.     Ein blinder Fleck der Ökobewegung     
III.    Wo wir herkommen    
         Zu den geschichtlichen und politischen Ursachen der heutigen Probleme
        1.     Die Bauern - das Fundament unserer Kultur und seine Gefährdung    
        2.     Der Preis der Ökonomisierung     
        3.     Agrarpolitik und Agrarsubventionen    
        4.     Der kommunistische Klassenkampf gegen die Bauern   
        5.     Bodenreform, Kollektivierung und Industrialisierung - die ostdeutsche Agrargeschichte von 1945 bis 1989   
       6.     Die Wurzeln des sächsischen Ökolandbaus   
       7.     Ostdeutsche und sächsische Agrarstrukturentwicklung seit 1990   
       8.     Über den Zusammenhang zwischen früherer LPG-Vernetzung und heutiger Unterstützung agrarindustrieller Strukturen  
       8.1.     Eine persönliche Vorbemerkung
       8.2.     LPG-Vorsitzende zu Agrar-Geschäftsführern
       8.3.     VdgB zu Landesbauernverbänden
       8.4.     DBD zu CDU
       8.5.     LPG-Interessen bei Rot und Grün
       8.6.     Aufarbeitung der Diktaturfolgen - eine Voraussetzung für die Klärung der Zukunftsfragen
      9.     Sächsische Agrarpolitik heute   
IV.    Wo wir hin wollen (sollten)  
         Ziele und Leitbilder für eine zukunftsfähige Landwirtschaft     
         1.     Das Dorf muss Dorf bleiben:
                 Agrarfragen in die Landesentwicklung integrieren   
         2.     Der Bauer muss Bauer bleiben:
                 Bäuerliche Landwirtschaft und ökologische Leitbilder     
         3.     Postwachstumsökonomie als Wegweiser für eine zukunftsorientierte Agrarpolitik    
         4.     Eckpunkte für eine ökologische Agrarwende    
         4.1.     Externe Kosten minimieren: Folgekosten auf Verursacher umlegen    
         4.2.     Chemie vom Acker: Ökologische Landbewirtschaftung auf der Gesamtfläche    
         4.3.     Stabile und krisenfeste Einheiten: Kleinere Betriebe sind zukunftsfähig
         4.4.     Reale Preise für gute Nahrungsmittel: Die Ära der Agrarsubventionen beenden         
V.    Worauf es ankommt
        Herausforderungen und Chancen für eine ökologische Agrarpolitik     
        1.     Den Lobbyinteressen widerstehen  
        2.     Das Erbe sichern:
                 Die Bauernhöfe sind Voraussetzung für eine ökologische Wende    
        3.     Neue bäuerliche Unternehmensgründungen ermöglichen und fördern      
        4.     Landschaftsschutz durch bäuerliche Landnutzung   

VI.    Diskussion und Fazit                    

Literatur und Quellen    


Geleitwort der Herausgeber

Michael Beleites öffnet 20 Jahre nach der Friedlichen Revolution den Blick für verschüttete Zusammenhänge der ökonomischen, ökologischen und gesellschaftspolitischen Entwicklungen und Verhältnisse im ländlichen Raum Sachsens. Ihn treibt die Sorge um die Abwanderung der Menschen, den Verfall bäuerlicher Hofstellen, den Verlust unserer Kulturlandschaften, die auch Heimat bedeuten, die Konzentration des Ackerlandes in den Händen weniger, den Verlust wirtschaftlicher Wertschöpfung, die Zerstörung der Bodenfruchtbarkeit, die Monotonisierung der Landschaft, die Chemisierung von Böden und Wasser und die Ausrottung der Artenvielfalt.
Eine Ursache erkennt er im kommunistischen «Klassenkampf gegen die Bauern», in den Enteignungen nach 1945, der Zwangskollektivierung Anfang der 1960er Jahre und der Agrarindustrialisierung der 1970er und 1980er Jahre, die er als Stufen ein- und derselben Ideologie kennzeichnet. In dieser Perspektive vollenden die seit 1990 verantwortliche bundesdeutsche Agrarpolitik - und in Sachsen also die CDU - faktisch das Ziel der SED, die Bauern als wirtschaftlich und politisch tragende Schicht zu zerschlagen. Beleites beschreibt personelle und inhaltliche Kontinuitäten bei den Akteurinnen und Akteuren vor allem der sächsischen CDU, die wesentlich zu deren politischer Vormachtstellung im ländlichen Raum bis heute beitragen. So spielte die Politik der Treuhand und ihrer Nachfolger den Großteil der fruchtbaren Böden in die Hände Weniger. Die flächenbezogene Agrarsubvention wirke nun wie eine Veränderungssperre. Dadurch verliere die Gesellschaft ihre Ernährungsautonomie und werde politisch erpressbar.
Tiefere Ursache für die bruchlose Weiterführung kommunistischer Ziele unter kapitalistischem Vorzeichen sei das beiden Systemen gemeinsame Leitbild vom industrialisierten Agrargroßbetrieb, der angeblich effektiver wirtschafte und mehr Menschen ernähre. Stattdessen wirbt er für die Einsicht, dass der bäuerliche Familienbetrieb das einzige seit Jahrtausende bewährte Modell menschlichen Wirtschaftens im Rahmen ökologischer Stoffkreisläufe sei. Beleites setzt sich für eine Besinnung auf das Leitbild des lokal und regional verankerten, überschaubaren bäuerlichen Familienbetriebs ein,der die Erzeugung von Lebensmitteln und auch Energie in biologischen Kreisläufen von Acker- und Gartenbau sowie Viehhaltung innerhalb eines Hoforganismus organisiert. Vehement wendet er sich gegen die Diffamierung des bäuerlichen Familienbetriebs als «Museumslandwirtschaft» und weist nach, dass dieser nicht nur in ökologischer, sondern auch in ökonomischer Hinsicht erfolgreicher wirtschaftet. Dabei kritisiert er auch aktuelle Tendenzen im Ökolandbau. Den städtisch geprägten GRÜNEN wirft er Desinteresse sowie mangelnde Kenntnisse und Einfühlungsvermögen in bäuerliche Mentalitäten vor. Beleites bettet seine Überlegungen in aktuelle Debatten um Energieautonomie (Hermann Scheer) und eine Postwachstumsökonomie (Niko Paech) ein und leistet dafür einen wesentlichen Beitrag, der bis in die notwendige Reform der EU-Agrarpolitik hineinreicht.
Beleites entwirft agrarpolitische Handlungsansätze, insbesondere für Sachsen. Hier gebe es noch ein großes Potenzial, um den vorhandenen Großstrukturen aktiv eine Vielzahl und Vielfalt bäuerliche Betrieben an die Seite zu stellen. Die Bausubstanz der alten Höfe in den Dörfern sei noch vorhanden. Für das häufig noch dazu gehörende Flächeneigentum müssten Wege aus den langfristigen Pachtverträgen geöffnet werden, um motivierten jungen Menschen den Einstieg in die Landwirtschaft und den Dörfern eine Wiederbelebung überhaupt zu ermöglichen. Sachsen - nicht mehr auf dem Weg «nach Kasachstan», sondern mit Mut zu Schweizer Stärken.
Wir freuen uns, dass die Debatte um die ökologischen und ökonomischen Verhältnisse in den ländlichen Räumen Sachsens so vehement angestoßen wird. Beleites rührt dabei an schmerzhafte Tabus. Zu einer ökologisch-sozialen Entwicklung Sachsens gehört neben dem Umbau unserer technischen Stoffkreisläufe und der Umstellung unserer Energiewirtschaft auf 100% Erneuerbare Energien auch die Art und Weise wie wir unsere Nahrungsmittel wachsen lassen. Beleites gelingt es dafür den Blick zu öffnen. Darin liegt die Bedeutung dieser Schrift.

Johannes Lichdi
Stefan Schönfelder

Weiterdenken - Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen

Ulrich Jasper
AbL - Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V.

 

Geleitwort

Dieses Buch ist ein grundsätzliches Buch, es ist ein politisches Buch, es ist ein Buch, das aus tiefer Liebe, aber auch aus Sorge um die Zukunft der historisch gewachsenen mitteleuropäischen Kulturlandschaft mit dem sie prägenden Bauerntum geschrieben wurde. Eigene leidvolle Erfahrungen, ein gründliches Eindringen in die Prozesse und Mechanismen unvermeidbarer und vermeidbarer Entwicklungen der Landwirtschaft, zum ländlichen Raum im Osten Deutschlands seit Ende des zweiten Weltkrieges werden z.T. dokumentarisch aufbereitet. Was hatte diese Zeit für Verwerfungen, für Zerstörungen, für persönliches Leid, für ungesühntes Unrecht gebracht und es setzt sich fort, deshalb diese Suche nach Gerechtigkeit, nach Wahrheit und den Ursachen der Fehlentwicklungen, die zur weitestgehenden  Liquidierung des Bauerntums hier im Osten Deutschlands führten. Und was besonders schwerwiegend zählt, ist, dass mit der Wiedervereinigung diese Politik im Prinzip fortgesetzt wurde. Dafür werden insbesondere Beispiele für das heutige Bundesland Sachsen aufbereitet.
Wichtig ist, dass der Autor nicht bei einer Analyse der Fehlentwicklung stehen bleibt, sondern im zweiten Teil sich eingehend mit Zukunftschancen des ländlichen Raumes in Form nachhaltiger agrarischer Nutzung befasst. Es werden mögliche Wege zu einem an Traditionen anknüpfenden, sozial und ökologisch vertretbaren Umgang mit der Agrarlandschaft aufgezeigt. Es ist dies - und davon bin ich überzeugt - der einzig zukunftsfähige Pfad, und das gilt weltweit, den unsere Zivilisation sehr kurzfristig - jetzt - beschreiten muss. Dabei muss die Landwirtschaft in den reichen Ländern zukünftig ohne Agrarsubventionen auskommen, seien es nun Mengen- oder Flächenprämien.
Bei der Landschaftsnutzung der Zukunft muss dem Erhalt der Funktionstüchtigkeit der Landschaft, insbesondere der Böden, höchste Aufmerksamkeit zukommen, das verlangt eine Honorierung ökologischer Leistungen. Aktuell werden in unserem Hochlohnland subventioniert billig Agrargüter für einen Weltmarkt produziert, auf Kosten der Steuerzahler, der Umwelt, der armen Welt. Es ist widersinnig, mit öffentlichen Geldern eine Form der Agrarproduktion zu subventionieren, die im eigenen Land erhebliche Folgekosten verursacht, die wiederum mit öffentlichen Mitteln beglichen werden müssen.
Intakte Kulturlandschaften sind in Hochzivilisationen ein zunehmend knapper werdendes Gut! Ihr Erhalt und ihre Pflege sind eine unabdingbare Aufgabe für die ganze Gesellschaft. Wann endlich begreifen wir den «Kultur-Natur-Zusammenhang» der Agrarnutzung? Landnutzungskultur schließt den Schutz der Natur mit ein, sie ist Teil der Kultur einer Gesellschaft und wird eine der der wichtigsten Sozialleistungen für die Zukunft sein. Die Marktwirtschaft lehrt: Reichlich Vorhandenes sinkt, Knappes steigt im Wert. Hüten wir also das Gut gesunde Kulturlandschaft, sein Wert wird weiter steigen!
Ihr Erhalt, ihre Weiterführung erfordern das Zusammenwirken vieler Partner: Landwirte, Forstwirte, Naturschützer, aber ebenso Unternehmer und Vertreter der Verkehrs- und Tourismusbranche, Architekten und Denkmalpfleger, von Kirchen und des kulturellen Lebens. Intakte Kulturlandschaften können als alternative Modelle zur urbanisierten Welt betrachtet werden, denn es sind Gebiete, in denen der Mensch seine Kultur so entfaltet hat, dass die Natur trotz der Nutzung einen großen Reichtum entwickeln konnte. In diesen Räumen finden Menschen in einer zunehmend durch Orientierungslosigkeit und Entwurzelung gekennzeichneten Zeit geistig-seelisches Wohlbefinden, künstlerische Inspiration, Gestaltungskraft und Hoffnung. Sie finden aber auch zurück zu Religiosität, zu Ehrfurcht vor der Natur, zu mehr Bescheidenheit, zu Demut. Kulturlandschaften sind Ausdruck einer Wechselwirkung von Mensch und Natur, von kultureller und biologischer Evolution. Sie haben eine herausragende Bedeutung für die Umsetzung des Konzepts einer dauerhaft umweltgerechten Entwicklung, dem einzig zukunftsfähigen Pfad der menschlichen Zivilisation!
Unsere gegenwärtig insbesondere in Ostdeutschland praktizierte «modernste», da am Stärksten mit Großmaschinen ausgestattete und von Agrochemie beherrschte Landwirtschaft hat in großen Teilen zu alleinigen Produktionslandschaften geführt, die mit der historisch gewachsenen Kulturlandschaft nichts mehr gemein hat; das kann und darf so nicht weitergeführt werden. Der Mehrwert für die Gesellschaft liegt dabei weit unterhalb der anderer Flächenländer. Die Steigerung der Arbeitsproduktivität kann, darf nicht mehr im Mittelpunkt eines Unternehmens stehen – ein gewaltiger Reformbedarf steht vor uns. Wir brauchen dringend eine Fortsetzung der begonnenen, dann abgebrochenen Agrarwende und das im engsten Verbund mit der glücklicherweise eingeleiteten Energiewende. Wir müssen endlich begreifen, dass der Boden ein Organismus ist, unser kostbarstes Gut, das es zu mehren gilt und nicht durch «subventionierte Unvernunft» zu ruinieren! Friedensreich Hundertwasser formulierte es am Ende seines Lebens (vor gut zehn Jahren) wie folgt: Alle großen menschlichen Kulturen dieser Erde waren zu Ende, als ihr Humus zu Ende war, wir werden folgen, wenn wir es nicht vermögen, diese dünne Schicht der Fruchtbarkeit zu erhalten, zu vermehren. Dem ist nichts hinzuzufügen!

Wünschen wir dieser Schrift der Aufklärung, der Verantwortung, der aufgezeigten Auswege eine weite Verbreitung. Wünschen wir dieser Neuorientierung eine starke Lobby, viele Verbündete. Die Zeit ist reif für einen Paradigmenwechsel: Immer mehr Bürger, Betroffene, stellen sich die Frage, wie könnte eine Postwachstumsgesellschaft funktionieren, die weniger Natur vernutzt, weniger verschwendet, dabei aber mehr Zufriedenheit bringt. Es kann, es darf uns nicht egal sein, was mit unserer Lebensgrundlage - der Kulturlandschaft - passiert. Wir dürfen sie nicht Spekulierenden, allein nach höchster Rendite Gierenden überlassen! Wir brauchen Manager des ländlichen Raumes mit hoher ökologischer und sozialer Kompetenz, eine neue Generation von Landwirten im Sinne des Wortes. Ihnen bevorzugt Flächen, Böden, aus dem derzeit noch vorhandenen BVVG-Vermögen zu überlassen, wäre im Osten Deutschlands dringend geboten. So könnte das Sterben des Bauerntums gemindert werden, der ländliche Raum mit seinen vielfältigen Funktionen für die Gesellschaft besser in die Zukunft geführt werden. Es bietet sich an, Allianzen mit der Tourismuswirtschaft und der Gesundheitswirtschaft zu schmieden, diesen sich bemerkenswert entfaltenden Branchen der Wirtschaft. Auch sie sind auf eine intakte Kulturlandschaft angewiesen, in der Nützlichkeit, Schönheit und Lebensfülle zusammengehören, ein Markenzeichen sind!
Gesunde Böden, saubere Luft, gutes Grundwasser, gesunde Nahrung - das ist unser Kapitalstock für die Zukunft.

Prof. Dr. Michael Succow
im Sommer, zur Erntezeit 2012 
Green New Deal Blog Klima der Gerechtigkeit