Einen Unterschied machen

Ein Bewerber wird abgelehnt weil er Schwarz ist. Einem lesbischen Paar wird ein gemeinsames Bankkonto verweigert. Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden nur in Einzelfällen in die Regelschulen integriert.

Bereits diese drei Beispiele verdeutlichen: Diskriminierung ist eine gesellschaftliche Realität. Sie ist vielgestaltig und greift entscheidend in das Leben von Betroffenen ein.

Mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist zwar 2006 ein weitgehendes Diskriminierungsverbot gesetzlich verankert worden, unabhängige aber auch staatliche Unterstützungsstrukturen sind entstanden und professionalisieren sich. In den Medien wird differenzierter berichtet. Und doch: von einer breiten Kultur der Gleichbehandlung sind wir noch immer weit entfernt.

In Unternehmen und Behörden, in Geschäften, Arztpraxen und Schulen aber auch in der Straßenbahn ist bislang zu wenig von diesen Entwicklungen zu spüren. Im Alltag fehlen Sensibilität und das Wissen um konkrete Handlungsmöglichkeiten.

Vor diesem Hintergrund ist 2009 im ADB die Idee zu einer Ausstellung entstanden. Diese soll eine Brücke zwischen Fachwelt und breiter Öffentlichkeit schlagen, indem sie die mitunter komplexen Inhalte und Debatten erlebnisnah und anschaulich aufbereitet.

Ein wesentlicher Zugang dafür sind persönliche Berichte und konkrete Beispiele. Die Perspektive von Betroffenen und ihre Erfahrungen von Ausschluss und Ungleichbehandlung werden in den Mittelpunkt gerückt.

Einen zweiten Schwerpunkt setzt die Ausstellung mit zahlreichen Einladungen zur Selbstreflexion. BesucherInnen sollen sich so die Frage stellen können, was Diskriminierung mit ihnen zu tun hat. Neben eigenen Diskriminierungserfahrungen wird es dabei auch um privilegierte Gruppenzugehörigkeiten (bspw. mehrheitsdeutsch, ohne Behinderung, heterosexuell) gehen, die es ermöglichen, bestimmte Ausgrenzungen nicht zu erleben.

Als visueller roter Faden zieht sich eine Fotoserie der Fotografin Betty Pabst durch die Ausstellung. In elf Blöcken (je eine spezifische Situation) werden dieselben fünf Modelle in fünf Fotographien gezeigt. Die Modelle repräsentieren Vielfalt bezogen auf Geschlecht, Lebensalter, körperliche Fähigkeiten sowie ihre Herkunft. Durch Vergleiche zwischen den Personen in verschiedenen Situationen sollen die BetrachterInnen ihre Stereotype, Vorannahmen und gesellschaftlich vermittelten Bilder erleben können. Die Bilder sollen Fragen anregen: Passt eine 80jährige Frau in ein Architekturbüro oder ein Rollstuhlfahrer hinter das DozentInnenpult einer Universität? Wie komme ich auf die Idee, dass sie es (nicht) tun? Und allgemeiner: Was ist für mich »normal«? Wer kommt in dieser Normalität vor und wer nicht?

Die Ausstellung irritiert mit ihrem Konzept bewusst viele gewohnte Sicht- und Denkweisen.

Grundlage für das Projekt sind die Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Arbeit des Antidiskriminierungsbüros, die so alltagsnah einem breiten Publikum präsentiert werden. 2011 wird die Ausstellung zuerst in Leipzig gezeigt werden, dann soll sie auf Wanderschaft gehen. So soll sie ihren Beitrag dazu leisten, das gesellschaftliche Bewusstsein für Diskriminierung zu stärken und konkrete Impulse für die Gleichbehandlung aller zu geben.

Daniel Bartel

Daniel Bartel ist Diplompsychologe, Systemischer Berater (i.A.) und Mitarbeiter des Antidiskriminierungsbüros.

Mehr Infos zum Antidiskriminierungsbüro: www.adb-sachsen.de

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Weiterdenken ist Kooperationspartner bei einem Projekt des Antidiskriminierungsbüros Sachsen: Derzeit wird dort eine Ausstellung zum Thema Diskriminierung und Gleichbehandlung entwickelt.

Die Arbeit befindet sich aktuell in einer heißen Phase, die Eröffnung der Ausstellung ist für Januar 2011 geplant. Das Besondere ist u.a. das Konzept des »Universal Design«, das eine barrierefreie Umsetzung mit einem gemeinsamer Zugang für alle, ohne »Speziallösungen« für einige, beinhaltet.

Die Ausstellung zeigt u.a. Fotos von unterschiedlichen Menschen in vielfältigen Lebens- und Arbeitssituationen, die von bestimmten gesellschaftlichen «Mehrheits«-Normen und gewohnten Kategorien abweichen. So eröffnen sich ganz neue Perspektiven - schön irritierend.

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