Ohne Plastik leben

Ohne Plastik leben

Jede und jeder Einzelne kann im Alltag Schritte in Richtung Nachhaltigkeit & Genügsamkeit gehen – in den  Bereichen Konsum, Ernährung, Wohnen, Mobilität und Reisen. Ob minimalistisch oder zero-waste, plastikfrei oder DIY, ob vegan, fair, bio oder regional, ob sharing oder caring - die Möglichkeiten, einen Beitrag zu leisten, sind vielfältig!

Anregungen zum Plastikfreien Leben:

  1. Vor dem Einkauf
  2. Beim Einkauf
  3. Im Supermarkt
  4. Unser Nachwuchs
  5. Das Kinderzimmer
  6. In der Küche
  7. Im Bad
  8. Unterwegs
  9. Plastik zum Anziehen
  10. Im Büro
  11. Plastik im Briefkasten
  12. Feiern und Schenken
  13. Leihen. Reparieren. Und Verschenken.

 

1. Vor dem Einkauf

Es gibt also gute Gründe, sein Leben zu überprüfen: Wie viel Müll produziere ich? Wie viel davon ist notwendig? Denn es spricht wirklich vieles dafür, möglichst plastikfrei zu leben. Müllvermeidung beginnt im Kopf. Und zwar vor dem Einkauf. Stellt euch ein paar Fragen, die euch helfen, die richtige Kaufentscheidung zu treffen. Dazu eine kleine Checkliste:

  1. Brauch ich das?
  2. Wie oft werde ich es benutzen?
  3. Wie lange wird es halten?
  4. Habe ich etwas Ähnliches?
  5. Kann ich so etwas auch ausleihen?
  6. Was mache ich damit, wenn ich es nicht mehr brauche?
  7. Wer ist der Produzent? Wer bekommt mein Geld für das Eingekaufte?
  8. Gibt es etwas Vergleichbares, das besser ist, umweltfreundlicher, fairer hergestellt wurde?
  9. Könnte man so etwas auch gebraucht kaufen?
  10. Will ich das überhaupt?

Bevor Ihr Lebensmittel einkaufen geht, nehmt euch die Zeit für einen Einkaufszettel – zum Beispiel um nicht versehentlich Brot zu kaufen, obwohl Ihr zuhause noch Brot liegen habt. Kauft man versehentlich zu viel ein, kann man oft gar nicht alles essen. Unter anderem deswegen werden in Deutschland jedes Jahr mehr als 18 Millionen Tonnen Nahrungsmittel weggeschmissen - das entspricht 220 Kilo pro Kopf. Wie wir wissen sollten wir nie hungrig Lebensmittel einkaufen gehen. Wir kaufen dann oft mehr, als wir verbrauchen können.

Plastiktüten sind nicht 100% kompostierbar

Ein großer Schwindel sind die als »biologisch abbaubar« beworbenen  Plastiktüten. Aus technischen Gründen  bestehen sie häufig zu 70 % aus Rohöl  und nur zu 30 % aus nachwachsenden  Rohstoffen. Gelangt so eine Tüte tatsächlich auf  den Kompost, wirkt sich das besonders negativ auf  die Umwelt aus: Es wird u.a. Mikroplasik frei  und gelangt ins Grundwasser.

2. Beim Einkauf

In der Regel entscheidet bereits die Wahl der Verkaufsstelle, wie viel Abfall euer Einkauf verursachen wird. In großen Warenketten fällt normalerweise mehr Verpackung an als im Fachhandel. Während Discounter und auch Supermärkte oft verpacktes Gemüse anbieten, offeriert der Biohandel tendenziell eher Unverpacktes aus der Region.

Die wichtigste Regel lautet: Lasst die Verpackungen im Laden zurück! Viele Händler*innen haben mittlerweile selbst den Überblick verloren, welche Verpackungsflut sie eigentlich produzieren. Nehmen wir zum Beispiel drei Paar Unterhosen »Made in Bangladesh«, eingelegt in Papier und dann auch noch in einer massiven Plastikumverpackung untergebracht?! Würden alle diese überflüssigen Hüllen im Laden zurücklassen, hätte der Handel ein Problem.

Er müsste einen Entsorgungsplan entwerfen und Geld ausgeben, damit er den Verpackungsmüll wieder losbekommt. Dabei geht es aber nicht darum, Händler*innen zu ärgern, sondern einen wichtigen Impuls zu setzen. Würden viele Kunden*innen so handeln, müssten sich die Händler*innen mit den Herstellenden in Verbindung setzen und sie – schon aus eigenem wirtschaftlichen Interesse – anweisen: Unterhosen nicht mehr doppelt und dreifach verpackt!

Diese Plasteprodukte  verbietet die EU ab 2021: Trinkhalme, Einwegbecher, -teller, -besteck, Wattestäbchen

3. Im Supermarkt

Verzichtet – wann immer es geht – WIRKLICH auf Plastik! Ist euch zum Beispiel schon einmal aufgefallen, dass die Mineralwasserflasche aus Glas einen Plastikverschluss hat? Es gibt Alternativen mit Weißblechverschluss, dessen Recyclingquote deutlich besser ist. Für Wurst und Käse gibt es in den meisten Supermärkten Theken.

Allerdings ist nicht geholfen, wenn das Verkaufspersonal die Ware in Plastiktüten einpackt. Wer ein eigenes Gefäß mitbringt, um eine Plastikschale zu vermeiden, wird zwar manchmal schräg angesehen, aber so kommt man wenigstens ins Gespräch mit der Verkäuferin oder dem Verkäufer (und sensibilisiert sie oder ihn gleich noch für das Thema). Joghurt und Milch könnt Ihr im Pfandglas kaufen. Deren Umweltbilanz verbessert sich übrigens, wenn man sie nicht ausspült! Denn im Werk werden die Flaschen sowieso gespült.

In Folie eingeschweißtes Gemüse signalisiert uns ein klares Zeichen: bloß die Finger davon lassen! Zum Beispiel die Gurke. Sie wird vorzugsweise dann eingeschweißt, wenn sie über eine lange Distanz transportiert wird, wodurch das Gemüse Flüssigkeit verlieren kann. Eingeschweißtes Gemüse weist auf lange Transportwege hin, verrät, dass das Gemüse in der Regel nicht regional und nicht frisch sein kann.

Eine Untersuchung des Naturschutzbundes ergab: Im Jahr 2014 waren 60 Prozent des Obstes und sogar 66 Prozent des Gemüses vorverpackt. Natürlich gibt es Argumente, die Gemüseproduzent*innen vorbringen: Die Haltbarkeit wird durch die Verpackung in etwa verdoppelt; ergo verdirbt weniger. Aber will man wirklich eine vier Wochen alte Gurke in seinen Salat schnippeln? Frisch (und lecker) – das geht anders. 

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Augen auf im Biomarkt

Auch im Biomarkt müsst Ihr genauer hinschauen, was Ihr kauft und woher es stammt: Biokartoffeln aus Marokko oder Ägypten sollten allein schon deshalb nicht im Einkaufskorb landen, weil sie wahnwitzig weite Wege hinter sich haben. Oft werden solche Produkte in der künstlich bewässerten Wüste hergestellt, was immense Mengen an Wasser und Energie verschlingt.

Nicht zuletzt: Biogemüse in Plastikfolie, das ist wie ein Tierschutzaktivist im Pelzmantel! Bioäpfel aus Neuseeland sind wie ein SUV auf dem Radweg. Und Biosäfte in Einwegbehältnissen, das ist wie ein edler Wein im Plastikpack.

4. Unser Nachwuchs

Viele Einwegwindeln kann man eigentlich nur als Sondermüll bezeichnen. Die französische Agentur für Gesundheit-, Lebensmittel- und Umweltsicherheit hat bei Tests rund 60 chemische Substanzen in Einwegwindeln nachgewiesen, zum Teil in unzulässig hohen Konzentrationen: neben Duftstoffen und Klebemitteln unter anderem Dioxine, Furan, seit Jahren verbotene Chemikalien oder den Unkrautvernichter Glyphosat.

Im Durchschnitt verbraucht ein Baby bis zu 5.000 Windeln von der Geburt bis zum 3. Lebensjahr. Einwegwindeln lassen sich – wie der Name schon sagt – nicht recyclen. Einmal ins Meer gelangt, braucht eine solche Windel 450 Jahre, bis sich der Kunststoff zersetzt hat (wobei dann auch die oben genannten Schadstoffe freigesetzt werden).

Zum Glück gibt es gute und günstige Alternativen: Mit Stoffwindeln könnt Ihr viel Geld sparen. Allerdings muss man dafür mehr Zeit und Waschmaschinenpower aufwenden. Vorteile bieten auch Wickelsysteme, die atmungsaktiv sind und keinen Hitzestau bilden. Außerdem gibt es Baumwollwindelhöschen mit waschbaren Stoffeinlagen. Und bei der Windelmanufaktur könnt Ihr euch Rat einholen.

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5. Das Kinderzimmer

»Rapid Exchange of Information System« heißt ein Schnellwarnsystem der EU, mit dem die Generaldirektion Justiz, Verbraucher und Gleichstellung europaweit vor gefährlichen Produkten warnt. Zum Beispiel bei Spielzeug. »Wegen zu hoher Belastung mit einer Chemikalie zurückgerufen [Phthalate (DEHP)]« hieß es beim Plastikpony Marke »Lovely«, »zerbricht leicht« beim Plastikspazierstab: »Ein kleines Kind kann die kleinen Teile in den Mund nehmen und sich daran verletzen oder ersticken.«

Plastikspielzeug im Kinderzimmer? Mitunter leider gefährlich. Natürlich gibt es auch Spielzeuge aus Kunststoff, die nicht zerbrechlich oder giftig sind. Aber Plastikabrieb (Stichwort Mikroplastik, Seite 12) verursachen auch solche Produkte. Und wer will schon, dass der Nachwuchs bereits im Kinderzimmer Plastik über die Atemluft zu sich nimmt?

Achtung: Weichmacher!

Aufblasbares Wasserspielzeug wie Bälle oder Figuren enthält oft Weichmacher wie Phthalate, vor denen ausdrücklich gewarnt wird. Denn diese Weichmacher werden nach und nach wieder freigesetzt. Einige Phthalate können wie Hormone wirken und Leber und Nieren der Kinder schädigen. Das Umweltbundesamt registrierte im Urin von Kindern so hohe Konzentrationen, dass gesundheitliche Schäden nicht mit ausreichender Sicherheit ausgeschlossen werden konnten.

Bitte schützt eure Kinder vor Plastik auch in der Spielumgebung! Da die Kleinen viel Zeit auf dem Fußboden verbringen, sollte der Belag nicht aus Plastik sein. Als Teppichböden aus Naturfasern eignen sich Sisal, Berber oder Tretford. Eine gute Alternative bieten Holzdielen oder Parkett und Kork, da sie fußwarm sind und ebenfalls eine heimelige Atmosphäre fördern. Für ein schadstoffarmes Kinderzimmer empfiehlt es sich, heimische Hölzer mit dem FSC-Siegel dem Fertigparkett vorzuziehen.

Wer die Schadstoffe im Kinderzimmer minimieren möchte, sollte außerdem die Wände am besten mit Natur- oder Dispersionsfarben auf pflanzlicher Basis streichen. Ebenso eignen sich Kasein- und Leimfarben. In herkömmlichen Wandfarben kann nämlich eine Vielzahl von Schadstoffen enthalten sein, die in die Luft des Kinderzimmers abgegeben werden.

Jedes fünfte Spielzeug aus Weichplastik überschreitet gesetzliche Grenzwerte:

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6. In der Küche

Küchenstuhl, Schneidebrett, Gewürzdose, Kaffeemaschine, die Knöpfe am Herd: Plastik trifft man in der Küche so häufig wie Bäume im Wald. Dabei sollten wir versuchen, nicht nur plastik- und müllfrei einzukaufen, sondern auch die Zubereitung unserer Mahlzeiten so plastikfrei wie möglich zu gestalten.

Viele Plastikprodukte in der Küche kann man leicht durch langlebige Mehrweg-Alternativen ersetzen. Das beginnt bei den Spülbürsten, dem Schneidebrett oder dem Kochlöffel aus Holz, geht über Küchenfreunde wie Pfannenwender, Makkaronikelle und Co. aus Edelstahl und endet nicht beim Schraubglas, das sich sowieso anbietet: Nach gründlicher Reinigung eignet es sich bestens zur Aufbewahrung von Vorräten und Speiseresten. Sogar zum Einfrieren eurer Lebensmittel könnt Ihr es nutzen.

Naturprodukte statt Plastikmüll

Wiederverwendbare Bienenwachstücher halten Lebensmittel länger frisch und machen Frischhaltefolie überflüssig. Die hessische Firma Compostella bietet hierfür auch ein Papier mit Wachs aus Palmblättern an. Es gibt Frischebeutel aus Baumwolle, die zwar etwa dreimal so teuer sind wie die handelsüblichen Plastikbeutel. Dafür halten sie aber so lange, dass man unterm Strich Geld spart. Hilfreich sind auch Leinensäcke, zum Beispiel um Brot, Mehl, Trockenobst und getrocknete Pilze aufzubewahren.

Wenn Ihr regelmäßig Mahlzeiten mit zur Arbeit nehmt, lohnt sich eine Brotbox aus Metall. Für Salate oder Suppen eignen sich verschraubbare Gläser. Außerdem empfehlen wir, Spüllappen und Geschirrtücher aus Baumwolle statt Mikrofasertücher zu verwenden. Schränke voller Chemiereiniger und -putzmittel braucht kein Mensch. Einfache Hausmittel wie Essig, Zitronensäure, Soda, Kernseife und Natron können fast alle Reinigungsmittel ersetzen.

Beispielsweise eignen sich Essig bzw. Essigessenz gemischt mit Zitronensäure hervorragend zum Entkalken. Gibt man Soda oder Kernseife hinzu, entstehen wirksame Reinigungsmittel. Mit solch einfachen Hausmitteln spart Ihr Plastikmüll und Geld – und Ihr schont damit gleichzeitig eure Gesundheit und die Umwelt. Mülltüten sind schlicht überflüssig. Für den Rest- oder Bio-müll könnt Ihr eine Tüte aus Zeitungspapier falten. Und in den Plastikmülleimer kommt ja ohnehin nur Plastik, da braucht man keine Tüte. 

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3 Mrd. Kaffeekapseln

Kaffeekapseln bieten wenig Kaffee, dafür aber viel Müll, zuletzt wurden pro Jahr schätzungsweise mehr als drei Mrd. Kaffeekapseln hierzulande verbraucht. Recycling ist praktisch kaum möglich, Kaffeekapseln werden fast vollständig aus frischen Rohstoffen hergestellt.

7. Im Bad

Zahnbürste aus Plastik? Muss nicht sein. Seit einiger Zeit fallen die Preise für ökologische Produkte aus Bambus oder Holz,
auch für die Borsten werden alternative Materialen immer beliebter. Einen Holz- statt Plastikkamm zu verwenden, versteht sich von selbst und das Toilettenpapier könnt Ihr unverpackt einkaufen. Zudem gibt es WC-Garnituren aus Bambus, Papierhalter, Toilettenbürsten oder WC-Sitze aus Holz.

Über Einwegrasierer muss man sich nicht ärgern: Wer die benutzt, den ärgert seine Haut von ganz allein. Doch auch zum »normalen« Nassrasierer gibt es Alternativen wie Rasierer aus langlebigem Holz oder Metall. Zwar muss man auch hier hin und wieder die Klinge auswechseln, aber die Teile liegen wesentlich griffiger in der Hand und es entsteht deutlich weniger Plastikmüll.

Nie wieder Shampooflasche aus Plaste

Auch sonst bieten sich im Bad viele praktische Alternativen zu Plastik: Beispielsweise ergibt eine Mischung aus schwarzer Seife mit Natron ein vorzügliches Shampoo. Wattestäbchen gibt es – wenn sie überhaupt genutzt werden – längst ohne Plastik. Mit Seifensäckchen kann man Seifenreste optimal nutzen; auch als Haarwaschseife statt des handelsüblichen Shampoos aus der Plastikflasche.

Kaltgepresste Öle etwa aus Kokos, Mandeln, Oliven oder Rosen eignen sich hervorragend zur Hautpflege. Mit Wasser bilden sie eine Emulsion, die schnell einzieht. Diese gibt es zu kaufen, Ihr könnt sie aber selbst herstellen.

Binden und Tampons verursachen eine Menge Plastikmüll. Menstruationstassen aus Silikon sind eine gute Alternative. Nach der Regel werden diese flexiblen »Mensbecher« einfach einige Minuten in Wasser ausgekocht. Je nach Hersteller sind sie so zehn bis 15 Jahre lang nutzbar. Das macht sie nicht nur ökologischer und preiswerter, auch gesundheitlich ist die Menstruationstasse herkömmlicher Damenhygiene deutlich voraus.

Insgesamt zeigt sich im Bad, wie sorglos wir mit Plastik umgehen. Manche Hersteller*innen mixen extra Mikroplastik in den Nagellack, die Sonnencreme oder das Duschgel, um die Eigenschaften zu verändern. Das Mikroplastik landet letztlich im Meer und wird dort von Tieren gefressen, bis es langfristig wieder bei uns auf dem Teller landet. Also, informiert euch ruhig ausführlicher und dann: Hände weg von diesen Sachen! Hier eine Liste solcher Produkte.

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8. Unterwegs

Der Kaffeebecher »to go« ist ein Wahnsinn, wie alle anderen Unterwegsgetränkebecher und Unterwegsverpackungen auch. Ihre Menge hat sich seit der Jahrtausendwende verdreifacht. 110.000 Tonnen Abfall im Jahr gehen in Deutschland auf das Konto von »to go«-Getränkeverpackungen. Damit hat der Becher die Plastiktüte als Abfallverursacher Nr. 1 im Alltag überholt. Während der Verbrauch von Plastiktüten durch die kostenpflichtige Abgabe in den letzten fünf Jahren um 60 Prozent gesunken ist, steigt der Verbrauch von Wegwerfbechern nach wie vor an.

Genutzt wird ein Becher durchschnittlich 15 Minuten, bevor er in den Müll wandert. Das ist Irrsinn! Zwar besteht ein Einwegbecher zum Großteil aus Papier. Weil dieses aber mit einer dünnen Kunststoffbeschichtung versiegelt ist, kann es nicht recyclet werden. Es gibt eine gute plastikfreie Alternative: der Mehrwegbecher aus Metall oder sogar Kaffeesatz.

Warum Plastik kauen?

Auch sonst kann man einiges im Auge behalten, wenn man unterwegs ist. Ob am Badestrand, beim Picknick im Park oder bei einer Wanderung mit der Familie – selbstverständlich solltet Ihr Müll nicht achtlos wegwerfen, sondern stets im Mülleimer deponieren. Noch besser aber ist, wenn Ihr euren Müll wieder mitnehmt: Denn die Tonne zu Hause wird garantiert von der Müllabfuhr geleert, während es »draußen« passieren kann, dass sich vielleicht ein Rabe oder ein Marder über den Müllkorb hermacht.

Verzichtet auf Kaugummi, denn der besteht größtenteils aus Plastik! Frische Minze ist eine gute Alternative, zumal wenn sie vom eigenen Balkon kommt oder aus dem Garten. Außerdem ist es empfehlenswert, wann immer es geht, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Die größte Quelle für Mikroplastikpartikel liegt nämlich im Abrieb von Fahrzeugreifen, insbesondere vom Auto.

Nach einer Studie des »Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik« entstehen pro Jahr in Deutschland 330.000 Tonnen Mikroplastikpartikel – gut vier Kilogramm pro Kopf. Rund ein Drittel davon stammt vom Reifenabrieb. Die Partikel gelangen über das Regenwasser in Ozeane oder unser Grundwassser. Züge oder Straßenbahnen entlasten dagegen die Umwelt!

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9. Plastik zum Anziehen

Sie heißen Polyamid, Polyethylen oder Polyester: Längst nutzen wir synthetische Fasern, um daraus Kleidung herzustellen. Sie sind reißfest, manche Fasern nehmen kaum Feuchtigkeit auf, aus anderen werden sehr elastische Textilien hergestellt oder Bekleidung, die kaum knittert. Das hat zu völlig neuen Stoffen geführt, etwa im Sportfunktions- und Unterwäschebereich oder für Teppiche, Vliesstoffe und Geo- oder Automobiltextilien.

Leider hat die schöne neue Welt der Plastiktextilien ein paar Nachteile: Bei jeder Wäsche lösen sich aus unserer Kleidung hunderttausende winzige Teilchen. Eine Studie der britischen Plymouth University hat die Menge und Größe der Fasern analysiert, die bei einer üblichen Wäsche bei 30 und 40 Grad Celsius aus synthetischen Textilien herausgelöst werden.

Ergebnis: Aus Polyester-Baumwoll-Mischgeweben werden rund 138.000 Mikroteilchen ans Waschwasser abgegeben. Wird ein Stoff aus reinem Polyester gewaschen, enthält die Abwasserfracht einer Waschtrommel etwa 496.000 Mikroteilchen, bei einer Ladung aus Acrylgewebe werden sogar 730.000 Plastikteilchen freigeschwemmt.

Unsere Kleidung trägt also schon während ihres Nutzungszyklus‘ wesentlich zur Verseuchung des Wassers mit Kunststoffpartikeln bei. Irgendwann werden alle Kleider alt, dann bestenfalls noch als Putzlappen genutzt und schließlich zu Müll. Die Fasern kommen selten stofflich rein als Polyester, Polyurethan, Acryl und Co. zum Einsatz. Deshalb lassen sich synthetische Kleiderfasern praktisch nicht recyclen.

Wir raten euch, beim Kauf eurer Kleidung darauf zu achten, nur Naturfasern wie Hanf, Baumwolle, Leinen, Seide oder Wolle auszuwählen. Das betrifft auch Bettwäsche, Handtücher und Putzlappen. Unbedenkliche Kleidung und Textilien zu kaufen, wird umso leichter, je mehr man schon im Vorfeld Läden mit einem guten Sortiment an Naturfasern auswählt. Große Textilketten, die ein super-stylisches Shirt für fünf Euro anbieten, können dies nur, weil es eben aus synthetischen Fasern hergestellt wird.

Nach einer Erhebung von Greenpeace tragen Deutsche viele Kleidungsstücke nur zweimal, bevor sie auch schon wieder weggeschmissen werden. Bei dieser »Fast Fashion« sollte man nicht mitmachen, denn sie überschwemmt die Welt mit Plastikfasern und Mikroteilchen. Wer dagegen seine Kleidung »Second Hand« kauft, der entlastet nicht nur sein Portemonnaie, sondern auch die Umwelt.

Im Durchschnitt besitzt jede Person zwischen 18 und 69 Jahren in Deutschland 95 Kleidungsstücke (ohne Unterwäsche und Socken). Das sind 5,2 Mrd. Kleidungsstücke.

Auch in unseren Waschmitteln findet sich immer häufiger Mikroplastik. Wer sicher gehen will, dass seine Naturtextilien beim Waschen nicht mit Plastik verseucht werden, der kann Waschnüsse nutzen: Seit Jahrhunderten wird die Frucht des tropischen Seifenbaums zum ganz natürlichen Waschen verwendet. Eine andere Möglichkeit: Ihr stellt euer Waschmittel selber her (Tipps unter: www.kurzlink.de/waschmittel).

Im Übrigen wird viel zu viel gewaschen: Jeans zum Beispiel sollten gar nicht gewaschen, sondern gelüftet werden. Flecken kann man mit einem feuchten Tuch entfernen. Wer weniger wäscht, schwemmt weniger Mikroplastik aus, spart Geld und entlastet die Umwelt.

Synthetische Fasern in gereinigtem Abwasser:

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10. Im Büro

Nicht nur im Haushalt und beim Einkaufen fällt jede Menge Plastikmüll an: Auch in unseren Büros stapelt sich Kunststoff in den Abfalleimern. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft hat ausgerechnet, dass jährlich 60.000 Tonnen Kunststoffe eingespart werden könnten, wenn im Büro nur noch Stifte aus Recyclingmaterial benutzt würden.

Vom Kautschuk-Radierer über Papier-Schnellhefter bis hin zum ökologisch einwandfreien Interieur – es gibt Alternativen zu all den Plastikprodukten im Büro. Textmarker beispielsweise gibt es auch zum Nachfüllen, genauso wie Patronen für Drucker, Tintenfässer für Füller oder Minen für den Kuli.

Ob Briefablage oder Schnellhefter – für jast jeden Bürobedarf bieten sich Alternativen aus Metall oder Holz. Sogar Computertastaturen und -mäuse sind (zumindest teilweise) plastikfrei: Bei Maus und Tastatur von Bambootech sind alle Teile, bei denen dies technisch möglich ist, aus dem schnell nachwachsenden Rohstoff Bambus hergestellt.

Dienstreisen lösen oft eine wahre Plastikflut aus: Autofahrten sollte man möglichst vermeiden, denn die größte Quelle für Mikroplastikpartikel in Deutschland ist der Pkw-Reifen und dessen Abrieb. In der Bahn dagegen sind es Plastikbecher und Co., die sich in unseren Alltag drängen. Fliegen verbietet sich wegen der Klimakrise von selbst.

Und bei Messen oder Kongressen wiederum muss man ein wahrer Held sein, um plastikfrei zu bleiben. Wenn in Eurem Büro noch Plastikbecher und Einweggeschirr zum Einsatz kommen, sprecht das Thema ruhig im Kollegenkreis oder bei der Geschäftführung an. Dadurch lässt sich schließlich Geld sparen. Zwar sind diverse Plastikprodukte an sich billig, auf Dauer summiert sich ihr Gebrauch aber zu relevanten Beträgen.

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Geschäftsreisen nehmen zu:

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11. Plastik im Briefkasten

Habt Ihr eigentlich ein Werbestoppschild am Briefkasten? Trotz Digitalisierung hat die nervige Postwurfsendung weiterhin Bestand. Über 1,9 Millionen Tonnen analoge Werbung landen pro Jahr in deutschen Briefkästen. Das sind durchschnittlich 46 Kilogramm pro Haushalt. Obwohl vieles davon Papier ist und bei sachgerechter Entsorgung wiederverwertet werden kann – in dieser Müllflut steckt auch Plastik drin: die Sichtfenster der Briefumschläge zum Beispiel, gummierte Klebeflächen oder in Folien eingeschweißte Postwurfsendungen.

Der schlichte Hinweis »Keine Werbung« reicht allerdings nicht aus, alle Werbung aus dem Briefkasten zu verbannen. Gegen persönliche adressierte Werbepost hilft ein Eintrag in die sogenannte Robinsonliste oder notfalls ein Schreiben an die jeweilige Firma.

Seit dem Jahr 2000 wurde so viel Plastik neu in Umlauf gebracht wie in den gesamten 50 Jahren zuvor.

12. Feiern und Schenken

Ostern, Weihnachten, Valentinstag: Die Materialschlacht nimmt bei unseren Feierlichkeiten einen immer größeren Raum ein. Für Viele ist Halloween ein großer Spaß. Es ist aber auch ein Riesengeschäft, bei dem gigantische Mengen an Plastikprodukten über den Ladentisch gehen – von der Deko-Fledermaus bis zum Halloween-Kostüm aus Synthetik.

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Wunschzettel vermeiden Müll

Zu Weihnachten ergießt sich dann alljährlich die größte Müllflut des Jahres über unser Land. Es wird geshoppt, was das Zeug hält. Schließlich gehören Geschenke zu Weihnachten wie der Tannenbaum. Ein paar einfache Tricks und Faustregeln helfen dabei. Etwas aus der Mode gekommen ist der Wunschzettel.

Probiert das ruhig einmal – ja, auch die Erwachsenen! Wunschzettel haben drei entscheidende Vorteile: Erstens reduzieren sie den Stress bei der Suche nach den Geschenken. Ihr müsst nicht mehr lange überlegen, ob das Parfüm der Liebsten oder das Spielzeug dem Jüngsten vielleicht doch nicht zusagt.

Zweitens erspart ein Wunschzettel viele Enttäuschungen à la »Oh, schon wieder eine Krawatte«! Drittens schließlich sorgen Wunschzettel dafür, dass Dinge nicht nur um des Schenkens willen geschenkt werden. Das reduziert den Müllberg, den wir zum Weihnachtsfest Jahr für Jahr neu anhäufen. Packt eure Geschenke selber ein.

Wer das tut, kann zum Beispiel noch eine Widmung in das Buch schreiben, eine kleine Grußkarte mitverpacken oder auch eine persönliche Dekoration anbringen. Außerdem könnt Ihr dafür gutes Geschenkpapier benutzen, das nicht gleich wieder weggeschmissen wird. Denn liebevoll und hochwertig verpackte Präsente reißt man ja nicht einfach auf. So ergibt sich die Gelegenheit, das Geschenkpapier zu sammeln. Nach ein paar Jahren sammelt sich ein ausreichend großes Reservoir an, sodass Ihr fast nie wieder Geschenkpapier kaufen müsst.

Auch Erlebnisse lassen sich verschenken. Zum Beispiel in Form eines Gutscheins für das Theater, das Planetarium, für ein Konzert. Dann leuchtet euer Weihnachtsfest mitten im kommenden Jahr noch einmal auf. Oder Ihr folgt einfach einer gemeinsamen und abgesprochenen Geschenke-Diät und beschert euch nur mit Kleinigkeiten. Das hilft, Müll zu reduzieren.

Knapp 30 Mio. Weihnachtsbäume werden jedes Jahr in Deutschland verkauft. Ende 2018 gab es 75 Produzenten von Öko-zertifizierten Weihnachtsbäumen und über 500 Verkaufsstellen.

13. Leihen. Reparieren. Und Verschenken.

Dinge, die man nicht mehr benötigt, muss man nicht wegschmeißen. Beispielsweise gibt es »Soziale Buchläden«, bei denen Ausgelesenes neue Leser*innen findet. Die Caritas unterhält Einrichtungen, bei denen Sachspenden willkommen sind. Bevor Ihr Dinge mit einem Hinweisschild »Zum Verschenken« auf die Straße stellt, solltet Ihr nachdenken: Manche Sachen halten den nächsten Regenguss nicht aus und landen dann doch auf dem Müll.

Billig ist meist teuer

Natürlich ist es ärgerlich, wenn der Schuster 20 Euro für seine Arbeit verlangt. In unserem Wirtschaftssystem ist es so, dass Rohstoffe und Energie billig sind, Arbeit dagegen teuer. Wer aber nicht die billigsten Schuhe, sondern höherwertige kauft, für den lohnt sich die Reparatur, die viel später notwendig wird.

Genauso beim Radio, beim Kühlschrank und so weiter: Auf lange Sicht kommen billige Produkte uns meistens teurer zu stehen. Außerdem ist es nicht immer notwendig, etwas zu kaufen. Oft kann man Dinge auch leihen, was besonders im Bekanntenkreis hilfreich ist, aber auch Nachbarschaften stärkt. Lokale Apps machen das Leihen in der Wohngegend einfacher und man lernt die Leute im eigenen Umfeld kennen.

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