Was zu tun ist - Für intersektionale Gerechtigkeit - 22. Januar 2020

Porträt Emily Ngubia Kessé

Wie kann Gleichberechtigung für alle Menschen gedacht werden? Welche Wege müssen dazu gegangen werden? Jede Diskriminierungserfahrung ist unterschiedlich, jedoch gibt es Menschen, die von Mehrfachdiskriminierung betroffen sind. Benachteiligung  kann nicht nur durch ein Merkmal entstehen, sondern aufgrund von mehreren Merkmalen, wie z. B. Geschlecht, Herkunft oder sozialer Status. Gleichstellungsbestrebungen, die diese Verhältnisse ignorieren, reproduzieren gar diese Ungleichheiten. Emily Ngubia Kessé ist überzeugt, dass eine tiefgreifende Überwindung von Diskriminierung nur möglich ist, wenn diese sich überlagernden Diskriminierungsformen sichtbar gemacht werden. Das Konzept der Intersektionalität nimmt genau diese Perspektive ein. Intersektionales Denken will eine weitere Segmentierung der Gesellschaft verhindern und versucht blinde Flecke zu erkennen. In dieser Hinsicht nimmt es das große Ganze in den Blick  und strebt so eine Erweiterung des Gerechtigkeitsbegriffs an.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe WAS ZU TUN IST sprechen wir am 22. Januar 2020 ab 19 Uhr in Dresden (Kleines Haus, KH3, Glacisstraße 28) mit Dr. Emily Ngubia Kessé über intersektionale Gerechtigkeit.

 

Dr. Emily Ngubia Kessé ist Forscherin, Trainerin, Social Entrepreneur und Autorin. Mit einem fachlichen Hintergrund in Neurowissenschaften widmet sie sich in ihrer aktuellen Forschung dem Thema "Rassismus in der akademischen Welt" und Prozessen der Wissensproduktion aus einer postkolonialen Perspektive heraus. Sie ist außerdem Mitbegründerin mehrerer Organisationen, die sich dafür einsetzen, wissenschaftliche und technologische Lösungen für soziale Herausforderungen zugänglich zu machen. Zuletzt erschien von ihr „Stille Macht: Silence und Dekolonisierung – Silence, Wissen und Machtstrukturen“ (2018).

 

|| THESEN ||

Hör zu
Beginn den Diskriminierungserfahrungen der Menschen um dich herum zuzuhören. Versuche aktiv, verschiedene Menschengruppen mit vielschichtigen Facetten und Lebenserfahrungen in deine politischen Debatten und Programme einzubeziehen. Tritt einen Schritt zurück. Halt. Pause. Zeig Respekt und hör mehr zu.

Stell dir Fragen
Warum weiß ich das nicht? Warum fällt es mir schwer, ihre Notlage zu verstehen? Warum ist meine Erfahrung anders? Was sind meine Privilegien? Je mehr Fragen du dir stellst, desto mehr lernst du, desto besser bist du in der Lage, Bedingungen sozialer Unterdrückungsstrukturen zu identifizieren und wo du dich darin befindest.

Unternimm was
Du kannst Unterstützung und Solidarität zeigen (wie sieht das für dich aus?). Du kannst deine eigenen Privilegien identifizieren und wie diese geteilt und an andere abgegeben werden können (und in welcher Form, z. B. Zeit, Geld, Kompetenzen, Staatsbürger*innenschaft, Rechtsstatus usw.).

Mach deine Hausaufgaben!
Übernimm Verantwortung und informier dich über die sozialen Ungleichheiten, die durch die normativen Strukturen von Rasse / ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht, sexueller Orientierung, Alter, Behinderung, Religion, Klasse, ... entstehen und wie diese miteinander interagieren und dabei einzigartige unerwartete Identitäten aber auch Erfahrungen der Unterdrückung erschaffen.

 

Die Reihe WAS ZU TUN IST ist eine Kooperation zwischen den Professuren für Politische Theorie und Ideengeschichte und der für Didaktik der politischen Bildung an der TU Dresden, dem Zentrum für Integrationsstudien der TU Dresden, dem Staatsschauspiel und Weiterdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen. Studierende können sich die Veranstaltung durch einen Teilnahmeschein und eine Klausur für das Aqua-Modul anrechnen lassen.