Bildungsreise Griechenland 2018

Bildungsreise Griechenland 2018

Anreise 15. September 2018
Programm 16. bis 22. September
Auswertung und Abreise 23. September 2018

Urheber/in: unknown. Public Domain.

Bildungsreise: Griechenland /Athen und Lesbos
Die Krise(n) und ihre Folgen

Auch wenn die Krise in Griechenland etwas aus dem Blickfeld geraten ist, hat sich für viele Menschen die Situation in den letzten Jahren kaum verbessert. Kein europäisches Land hat in der Nachkriegszeit eine so lange und tiefe Rezession erlebt – mit gravierenden sozialen Folgen: Seit Beginn der Krise haben etwa 500.000 Griechinnen und Griechen ihr Land verlassen. Jede zweite Familie hält sich mit den Renten der Eltern und Großeltern über Wasser. Die Sparpolitik, die Athen durch die Staaten der Eurozone und mit dem Internationalen Währungsfonds auferlegt wurde, setzt das Land weiterhin erheblich unter Druck ohne ein Ende der Wirtschaftskrise herbeiführen zu können. Die Lage wird nicht leichter durch den starken Zustrom von Schutzsuchenden nach Europa. Von den mehr als einer Million Menschen, die im Jahr 2015 die EU durch die Balkan Route erreichten, kamen etwa 850.000 über die griechischen Ägäisinseln insbesondere Lesbos und Chios. Im Kontext der Krise wurde Flüchtlingspolitik plötzlich zur Verhandlungsmasse, wenn etwa der Verbleib im Schengen-Raum zur Disposition gestellt oder die Einrichtung von Transitzonen gegen Schuldenschnitt aufgewogen wurde. Die Krise in Griechenland ist also keine rein ökonomische Krise, sondern eine Struktur- und Institutionenkrise des Euro-Raums - offenbar auch eine Krise der Demokratie und Prüfstein europäischer Solidarität. Unser erstes Reiseziel Athen ist die Hauptstadt Griechenlands und mit über vier Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Stadt des Landes, wo die Folgen der sozioökonomischen Krise seit 2008 am stärksten zu spüren sind. Es ist gleichzeitig das Zentrum der Protestbewegung und das kulturelle Zentrum des Landes mit seinem kosmopolitischen Erbe. Das zweite Reiseziel Mytilini, Lesbos - eines der Epizentren der europäischen Flüchtlingskrise. In der Hochphase der Flüchtlingskrise landeten hier an einem Wochenende bis zu 10.000 Menschen hungrig und erschöpft von der Überfahrt. Seit dem EU-Türkei Abkommen müssen sie hier bleiben, bis ihre Asylgesuche entschieden sind. Bei Moria, einem Dorf rund acht Kilometer nördlich von Mytilini, sind Tausende Migranten in einem ehemaligen Gefängnis untergebracht – überfüllte Lager, Bürokratie und Perspektivenlosigkeit ist zum Abschreckungsmittel geworden.

Mit Gesprächen vor Ort möchten wir uns gemeinsam ein Bild machen, wie die Menschen mit den vielfältigen Krisen und ihren Folgen umgehen. Wir treffen Aktivist*innen und Expert*innen aus Politik, Nichtregierungsorganisationen und Gesellschaft und versuchen Antworten auf verschiedene Fragen finden. Welche Perspektiven für einen nachhaltigen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Wandel gingen von der Syriza-Regierung aus? Hat sich die soziale Lage der Menschen in Griechenland zum Besseren verändert? Welche Spielräume bleiben, wenn Politik und Gesellschaft weitgehend von der Sparpolitik bestimmt werden? Wie organisiert sich die gesellschaftliche Opposition? Welche Strategien werden entwickelt? Wie entwickelt sich das Verhältnis Griechenlands zur Europa und welche Chancen bestehen für eine gesamteuropäische soziale Entwicklung? Wie begegnet die Insel Lesbos der Flüchtlingskrise und wie gehen die Bürgern der Stadt mit Geflüchteten um? Wie kann die humanitäre Krise auf der Insel, die ja eine europäische Krise ist, aus der lokalen Verhaftung befreit werden? Und wie kann eine solidarische, funktionale Flüchtlingspolitik in Europa aussehen?

Urheber/in: pixabay. Public Domain.

Unser Kooperationspartner ist Rhizomia e.V.

Der gemeinnützige Verein Rhizomia setzt sich die kritische Bewusstseinsförderung zu gesellschaftlich relevanten Themen zum Ziel. Rhizomia initiert und realisiert transnationale Lernprozesse in Form von Bildungsreisen insbesondere in südeuropäische Länder.

Reiseleiter und Organisatoren sind Dr. Nurettin Alphan Tuncer und Dr. Gökhan Tuncer.

Alphan Tuncer, (* 1978, Istanbul), Humboldt-Universität Berlin und Mitgründer der Initiative «Zweiheimisch». Nach dem Masters Studium der Internationale Beziehungen an der School of Oriental and African Studies (University of London) promovierte er an der HU Berlin über die Transformation der türkischen Gesellschaft und ihre Außenpolitik während des Kalten Krieges. Seine Forschungsschwerpunkte sind Theorien der Internationalen Beziehungen (insb. Kritische Theorie), Innen- und Außenpolitik der Türkei, deutsch-türkische Beziehungen sowie die Außenpolitik der MENA-Region (Nahost und Nordafrika) und EU-MENA Beziehungen.

Dr. Gökhan Tuncer, (* 1974, Istanbul) lehrt seit 2007 Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach dem Studium der Volkswirtschaftslehre und Politikwissenschaft promovierte er zur Transformation der Staatlichkeit in der Türkei. Seine Forschungsschwerpunkte sind politische Theorie, politische Ökonomie der europäischen Integration, Globalisierung und Transformationsprozesse in Schwellenländern und europäische Mittelmeerpolitik. Er entwicklelte Modelle des transnationalen Lernens und Lehrens in der universitären Bildung und leitet wissenschaftliche Exkursionen seit 2002.

Organisation

Die Reise ist für alle politisch Interessierten offen.

Das Programm startet in Athen am Sonntag, 16. September morgens. Das Einchecken im Hotel wird am Samstagabend möglich sein. Das Programm endet am Sonntagmorgen in Mytilini/ Lesbos (23. September 2015) mit dem gemeinsamen Frühstück. Die Reise umfasst acht Übernachtungen ausgewählten Hotels in der Innenstadt von Athen bzw. in Mytilini.

Im Preis inbegriffen sind die Übernachtungskosten inkl. Frühstück, zwei gemeinsame Mahlzeiten, die Fahrtkosten für den ÖPNV in Athen, der Flug-Transfer nach Lesbos, Experten-Treffen und Gespräche, Reiseleitung sowie alle Eintritte in die vorgesehenen Kultureinrichtungen.
Nicht enthalten im Reisepreis sind die An- und Abreise sowie alle weiteren Mahlzeiten und Trinkgelder.

Alle Gespräche, die nicht in Deutsch stattfinden, werden aus dem Englischen bzw. dem Griechischen ins Deutsche übersetzt.

Wir bemühen uns mit unseren Reisen um besondere Einblicke und Kontakte zu ausgesuchten, teilweise nicht hochprofessionalisierten, aber umso spannenderen und aktiveren Initiativen. Hierdurch und durch einige Unwägbarkeiten während der Bildungsreise bitten wir alle Interessierten, Flexibilität in der Reisegestaltung mitzubringen. Das Programm enthält mittellange Spaziergänge durch Athen. Sollten Sie mobilitätseingeschränkt sein, geben Sie uns bitte vorab Bescheid.

Anmeldung

Die Reise kostet im Doppelzimmer 695 € pro Person bzw. 545 € für Studierende, Arbeitssuchende, Menschen im Freiwilligendienst, Rentner_innen u.ä. Der Aufschlag für ein Einzelzimmer beträgt 180€.
Die Anreise ist nicht im Preis enthalten und muss eigenständig organisiert werden.

Bitte melden Sie sich mit unserem Formular reiseanmeldung_griechenland_2018.pdf an:

per Post an
Rhizomia e.V.
c/o Dr. Nurettin Alphan Tuncer
Bugenhagenstr. 6
10551 Berlin

oder per Email an goekhantuncer@yahoo.com

Anmeldeschluss ist der 31. Juli 2018.

Auf der Rückseite der Anmeldung finden sich die AGB für diese Reise. Sollten Sie Probleme mit dem Formular oder der Anmeldung haben, melden Sie sich bitte per Telefon (015902417400) oder eMail goekhantuncer@yahoo.com bei uns.

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