Warum sind Frauen in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert?

Warum sind Frauen in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert?

Interview

Warum sind Frauen in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert?

Von Simone Schmollack
Sechs Fragen dazu an Dietlind Tiemann (CDU), Oberbürgermeisterin in Brandenburg an der Havel


Trotz verschiedener Quoten und des Quorums der CDU sind Frauen in der Kommunalpolitik unterrepräsentiert. Was sagen Sie dazu?

Betrachtet man den deutschlandweiten Durchschnitt, ist es tatsächlich so, dass Frauen unterrepräsentiert sind. In Brandenburg an der Havel stellt sich die Situation folgendermaßen dar: Von den 47 Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung werden 31 von Männern und 16 von Frauen besetzt. Die SVV-Ausschüsse werden von 7 männlichen und 3 weiblichen Vorsitzenden geleitet.

Woran liegt es, dass Frauen seltener in der Politik zu finden sind?

Hier vor Ort haben wir schon einen höheren Frauenanteil als im Bundesdurchschnitt. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass noch mehr Frauen bereit sind, in der Kommunalpolitik aktiv mitzuarbeiten und als Mandatsträgerinnen Verantwortung zu übernehmen für die Gestaltung ihrer Stadt – auch hier in Brandenburg.

Sind Sie eine Quorumsfrau?

Nein, ich empfinde mich keineswegs als "Quorumsfrau". Ich bin für meine Partei als Kandidatin in den Oberbürgermeisterwahlkampf gegangen, weil ich als Christdemokratin und Bürgerin dieser Stadt etwas verändern wollte. Und ich bin mir sicher, dass die BrandenburgerInnen 2003 mich nicht zu ihrer Oberbürgermeisterin wählten, weil ich eine Frau bin, sondern weil ich ein überzeugendes Konzept für die Entwicklung der Stadt hatte.

Wie wirkt sich das Quorum der CDU auf den Frauenanteil in der Kommunalpolitik aus?

Das ist sicher von Ort zu Ort unterschiedlich, im Detail kann ich das nicht einschätzen. Bei den zurückliegenden Gremienwahlen innerhalb des Kreisverbandes Brandenburg an der Havel hatten wir mit dem Quorum keine Probleme. Der Frauenanteil des CDU-Kreisverbandes liegt derzeit bei 27 Prozent.

Sind Quoten und Quorum notwendig oder nur eine "Krücke"?

Quoten und Quorum haben als Zielvorstellung sicherlich ihre Berechtigung. Doch ich würde darin kein Allheilmittel sehen. Um den Anteil und damit den Einfluss der Frauen in der Politik zu stärken, ist doch nicht ausschlaggebend, was im Parteistatut steht. Entscheidend ist die praktische Parteiarbeit und dass es Frauen gibt, die durch ihre Leistungen überzeugen und sich dadurch in Führungspositionen bewähren. Aber auch die Männer müssen die Bereitschaft entwickeln, Frauen in führenden Positionen zu akzeptieren.

Was muss getan werden, um den Frauenanteil nicht nur in der Kommunalpolitik, sondern generell in der Politik zu erhöhen?

Hierzu bedarf es einer genauen Analyse der Gründe, warum es Frauen heute offensichtlich immer noch schwerer haben als Männer, sich politisch zu engagieren oder in der Politik akzeptiert zu werden. Vielleicht sind es die mancherorts immer noch funktionierenden Rollenmuster: Männer machen Karriere, im Beruf und in der Politik, und Frauen sind zuständig für Familie und Haushalt. Das ist in der öffentlichen Debatte zwar längst überwunden, aber manchmal scheitert es vielleicht allein an den fehlenden Rahmenbedingungen, die es Frauen möglich machen, Familie, Beruf und Politik unter einen Hut zu bringen.

Das Interview führte Simone Schmollack, Freie Journalistin


Dietlind Tiemann, 53, ist seit 2003 Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg an der Havel. Sie ist Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Brandenburg an der Havel. Seit 2001 ist die studierte Ökonomin in der CDU, bis 1989 war sie Mitglied der SED.

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